Immer gradaus!?

Manchmal hört man etwas, das sich tief einprägt und immer wieder hochploppt, ohne dass man das will. Ich rede in diesem Fall jedoch nicht von sogenannten Glaubenssätzen, sondern von dem Verkehrt-Hören eines Wortes, das einem Satz einen völlig anderen Sinn verleiht.

In meinem Fall war es ein Pfarrer meiner Kindheit, der sagte: Wer seine Hand an den Pflug legt und zieht zurück, der ist nicht geschickt zum Reich Gottes. (Lukas 9, 62)

Bibelkenner haben es vielleicht schon gemerkt, da stimmt was nicht. Aber so hörte ich es damals: … und zieht zurück. Ich dachte, so klein ich war – und ich wusste zum Glück, was ein Pflug ist – wie komisch das denn wohl sei, ein Bauer, der pflügen will, würde auf die Idee kommen, den Pflug rückwärts zu ziehen. Geht doch gar nicht. Auch das Pferd oder der Ochse müssten ja zum Zurückgehen gebracht werden. Was ein Aufwand! Kurz: Ich war der Meinung, toller Spruch, dann sind ja viele Menschen geschickt dafür (doppelter Wortsinn!), wo ist also das Problem?

Nun hatte ich schon in der Kindheit viel Kirche um mich herum, und es gab auch den Tag, an dem ich dachte, dass es vermutlich ein Schreibfehler in der Bibel sei. Denn dort steht sieht und nicht zieht. Wie auch immer, zieht erschien mit logischer, denn sieht fand ich noch unnützer, außerdem nicht umsetzbar, denn wenn ich geradeaus pflügen will, kann ich sowieso nur nach vorne oder seitlich gucken. Menschen sind schließlich keine Eulen, die ihre Köpfe bekanntlich bis fast ganz nach hinten drehen können. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, das irgendwer beim Pflügen nach hinten sehen wollte.

Nun aber heißt es in der Tat sieht. Dies aber würde bedeuten, dachte ich mir als Erwachsene, dass Jesus von Nazareth damit all jene unterstützt, die mit dem Dollarzeichen in den Augen, wie man so sagt, immer geradeaus laufen und „Wachstum,Wachstum“ rufen und „Wir müssen nach vorne schauen, wir müssen nach vorne schauen!“. Also die Leute, die überhaupt nicht gerne reflektieren, denen das auch viel zu anstrengend ist, über das nachzudenken, was mal war. Diese linearen Pfeilleute, die auf geradem Karriereweg nach vorne rennen, aus lauter Angst, man könnte merken, dass sie Angst haben. Dafür verbreiten sie um sich herum Angst und Schrecken, der Weg ist das Ziel, immer weiter, nach vorne schauen, und wer das nicht kann, ist nicht geschickt für, nun, den Mammon, den Erfolg, in spirituellen Kreisen sogar die Lebensfreude, in manchen religiösen Kreisen das Reich Gottes, das Was-auch-immer.

So hat es der Mann aus Nazareth aber nicht gemeint, da bin ich mir sicher. Wie so viele Sätze, die er von sich gab, gibt es auch bei Lukas 9,62 mehrere doppelte Böden, Dimensionen, nenn es wie Du willst. Und nachdem ich nun so viele Jahre immer wieder darüber nachgedacht habe, schreibe ich jetzt als Nicht-Theologin in solidem protestantischen Bewusstsein hier hin, was ich denke, das da drin steckt, in diesem Satz.

Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt zum Reich Gottes. So isses, und das Schöne ist, dass überhaupt niemand das tun wollen muss. Denn wenn man sein Feld bestellt und da so geradeaus pflügt – was passiert am Ende der Furche, auch auf einem Megafeld der alten LPGs oder den noch krasseren Industrie-Megafeldern amerikanischer oder russischer Monokulturen? Genau. Irgendwann ist die Furche zuende und man muss umdrehen. Ha! Dann pflügt man neben der soeben gezogenen Furche weiter – immer noch geradeaus! – und hat einen wunderbaren Blick auf das, was man schon gepflügt hat. Erst überblickt man also eine Furche, dann zwei, drei und so weiter. Bis das Feld fertig ist. Dann beißt man aber nicht ins Gras, sondern hat weiter auf dem Feld zu tun. Bis man irgendwann wartet, pflegt und schließlich erntet. Insgesamt so, wie indianische Kulturen mit der Welt umgehen: Immer schön die sieben vorigen und die sieben nachfolgenden Generationen im Blick haben. DAS ist Nachhaltigkeit! So würde man auch das Reich Gottes, das ja schon da ist, zum Wohle aller Menschen gestalten können.

Doch leider sind noch viele Linear-Menschen unterwegs, die sich gar nicht um das Ende einer Furche scheren. Die pflügen immer weiter, obwohl es gar nicht mehr ihr Land ist. Vermutlich sehen sie vor lauter Gestrüpp ihr eigenes Feld nicht mehr – und wollen das auch gar nicht.

Wenn Du Lust hast, bisschen Ordnung in Dein eigenes Feld zu bringen, weil es seit Jahren brach liegt und Du mittlerweile gemerkt hast, dass Du Dich immer wieder auf fremde Felder verirrst, auf denen Du Dich noch unwohler fühlst, unterstütze ich Dich gerne mit Lebenskunst für alle, archaischen Methoden fürs Zurückholen von Seelenanteilen in Eigenpflügerei bzw. -regie.

Vielen Dank fürs Lesen, solltest Du bis hierher drangeblieben sein. Lass uns jetzt die Felder der Welt bestellen, auf denen wir zu tun haben, okay? Wir sind nämlich alle geschickt dafür. Wobei „geschickt“ in diesem Fall, wie schon oben erwähnt, aus gutem Grund eine doppelte Bedeutung hat. 🙂

Immer ein gutes Händchen am Pflug wünscht Dir
Deine Ulriqe

PS: Vielleicht hattest Du ein bisschen Spaß beim Lesen dieses Artikels, dann freue ich mich über einen Kommentar von Dir. 🙂



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Klappern, schnattern, fliegen

Zong, macht es, als der kleine Pinguin auseinanderfliegt. Mama und Papa hatten ihn angeschrien.

Später kommen die Teile wieder zusammen. Aber ein Fuß fehlt. Niemand merkt das. Denn alle Pinguine haben zwei Füße. Wo einer fehlt, sieht das Auge trotzdem einen. Das ist sehr praktisch und funktioniert. So fällt nicht auf, dass sehr viele Pinguine nur einen Fuß oder sogar gar keinen haben. Ebenso ist es mit Verlust von Flügeln, Schnäbeln oder anderen Teilen. Was da sein soll, ist da. Das geschulte Auge ergänzt.

Bei der Nachbarfamilie hinterm Eisberg geht es anders zu. Dort wird verbotener Weise geschlagen. Zong, macht es da ebenfalls. Mit dem Unterschied, dass das Pinguin-Küken seine Einzelteile später ganz verkehrt zusammensetzt. Da ist der Schnabel am Fuß, der Flügel auf dem Kopf. Das Küken hat viel Mühe, trotzdem wie ein Pinguin zu wirken.

Eines Tages, nachdem Fußlos und Durcheinander, so nennen sich die kleinen Pinguine, beide zufälligerweise einen Zauberfisch gegessen hatten, begegnen sie sich.

He, sagt der eine. Du hast ja nur einen Fuß!

Und du hast einen Schnabel auf dem Kopf, sagt der andere. Und einen Flügel am Fuß. Wie kannst du damit laufen?

Nicht gut, sagt der eine. Aber ich tu so.

Ich auch, sagt der andere.

In der Nähe sehen sie andere Pinguine. Sie erschrecken. Die sehen ja alle so komisch aus, mit abben Füßen und Flügeln, Schnäbeln ganz woanders als eigentlich gemeint.

Gnaak gnaak, ruft da der Oberpinguin, Achtung, eine Durchsage. Wir sehen alle richtig aus. Gnaak gnaak.

Nun gnaakt es bestätigend durcheinander. Alle versichern sich gegenseitig, dass es schon immer so war und so bleibt in Ewigkeit, gnaak.

Die zwei kleinen Pinguine sehen sich an. Dann nicken sie sich zu und springen kopfüber ins Meer der Vergangenheit. Dort tauchen sie lange und holen Seltsames hervor. Das ist so, wenn ein Pinguin einen Zauberfisch gegessen hat.

Sie tauchen und holen mit ihren Schnäbeln Füße, Flügel, Bäuche, Augen, ja, sogar Herzen heraus. All dies legen sie aufs Eis. Niemand scheint das zu bemerken.

Als der Mond am Himmel steht, sind sie fertig. Nachdem eine Wolke am Mond vorbeigezogen ist, fällt silbernes Licht auf die große Zahl von Pinguinteilen. Plötzlich kommt es wie Leben in die Füße, Schnäbel und das andere Verlorene. Dann rennen, klappern, schnattern und fliegen alle Teile zu den erstaunten vielen Pinguinen und nehmen ihren Platz wieder ein.

Der eine kleine Pinguin erhält seinen Fuß zurück. Und der andere? Er wartet. Was wird mit ihm, wer soll Ordnung in seine Teile bringen?

Da kommen Mutter und Vater auf ihn zugewatschelt. Es tut uns leid, sagen sie. Wir haben es nicht anders gekonnt. Aber jetzt haben wir verstanden. Es war falsch zu schlagen.

Auch die Eltern von Fußlos kommen. Es war falsch zu schreien, sagen sie.

Mutter und Vater Schlagpinguin kommen ganz nah an ihr Kind heran. Als sie die Schnäbel senken, fällt ein Stern vom Himel direkt aufs Durcheinanderpinguinkind. Vor den Augen der erstaunten Pinguingemeinde kommt Ordnung in den kleinen Körper.

Genau so ist das auch bei uns Menschen. Wir fliegen auseinander, sobald uns etwas Schlimmes passiert. Dann kommen die Teile wieder zusammen. Aber es fehlt etwas. Das kompensieren wir dann gekonnt, wie alle anderen auch. Bis es nicht mehr geht, Symptome aller Art auftreten, wir den Verlust zwar spüren, aber die Ursachen vergessen haben.

Dann können wir uns auch aufmachen ins Meer der Vergangenheit. Mit Sea-Balance ist das sicher für uns. Denn was wir finden werden, ist nicht das, was wir erlitten, sondern das, was wir verloren haben.

Geht auch ohne Mondschein und Eiseskälte. Aber dass Sterne liebevoll vom Himmel fallen, kann durchaus passieren. Vor allem dann, wenn Eltern geschlagener Kinder schon gestorben sind.

Wenn wir offen für Wunder sind, werden sie uns überraschen.

Eure Ulriqe

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Einfacher gehen

Die Seele kennt den Weg. Allerdings fühlt sich das Leben manchmal so an, als wenn dem nicht so wäre.

Da tauchen Abgründe auf. Unüberwindbare Schluchten, Sümpfe und Morast. Steinige Pfade, karge Hochebenen und Wüsten. Das soll ein Weg sein? Oder auch: Wo, bitte, ist hier ein Weg?

Dazu lauern links und rechts Gefahren, gefährliche Tiere zum Beispiel, vor allem in der Nacht, wenn man sich ausruhen möchte, unter dem sternklaren Himmel oder unter einer Plane, weil es aus allen Eimern schüttet. Auch flüstert und wispert es hier und da aus dem Dickicht: Geh hier entlang, geh dort entlang.

Trotzdem immer weiterzugehen, Fuß vor Fuß zu setzen, fordert viel von uns. Vielleicht bleiben wir ein paar Tage an einem Platz. Aus Erschöpfung. Oder zum Nachdenken, weil der Weg sich teilt, der kleine Pfad links oder rechts vielversprechender erscheint als der breitere, befestigte Klettersteig. Eventuell kommt jemand vorbei, mit dem oder der wir ein Stück gemeinsam weitergehen können. Oder es ist ratsamer, alleine unterwegs zu sein. Manchmal bleiben wir auch einfach länger dort, wo wir nicht weiter wissen, bauen eine Hütte im Verborgenen, wo uns niemand finden kann.

Doch dieser Text handelt nicht von der Hüttenzeit. Sondern vom Unterwegssein, die Frage stellend: Wozu das alles und – kann das nicht ein b i s s c h e n einfacher gehen?

Ja, das kann es.

Dafür ist entscheidend, welchen Blick wir auf das haben, was uns begegnet. Denn sehen wir nur die Schlucht – oder auch ihr eventuell verborgenes Ende?

Bleiben wir am Abgrund stehen, gebannt von der Tiefe und weil wir denken, da nach unten muss es weitergehen – oder wagen wir die Entscheidung, links oder rechts eine ganz andere Richtung einzuschlagen?

Nehmen wir es weiter hin, über Steine zu stolpern – statt auf dem weicheren Gras zu gehen und unvermutet auf eine Quelle zu treffen?

Um den Blick zu verändern, genügt ein ergänzender Satz zum ersten: Der Weg der Seele folgt dem höchsten Wohlgefühl.

Denn es ist mitnichten so, dass ein Weg schwer sein muss, abgründig oder gefährlich. Er führt auch nicht durch einen gefährlichen Märchenwald, in dem Abenteuer zu bestehen wären. Bislang war das Leben vielleicht so. Doch das haben wir hinter uns, die wir da durchs Gelände stolpern. Das war so beschwerlich, bevor wir überrascht festgestellt haben, dass wir tatsächlich selbst entscheiden können, wohin wir unsere Füße setzen.

Vorher folgten wir nur einem GPS-Programm, das andere meist unwissentlich und in bester Absicht für uns eingestellt hatten.

Unser innerer Kompass weiß jedoch um ganz anderes Gelände, das uns geradewegs zurück zu uns selbst führt.

Auf diesem Weg abseits ausgetretener Pfade können wir mit Lebenskunst für alle dann auch ganz einfach unsere Seelenanteile einsammeln, die wir verloren hatten. Wir finden sie, weil wir die Richtung ändern. Wir erkennen sie, weil sich mit dem Richtungswechsel der Blick verändert auf das, was war und was ist.

Wer seine Seelenanteile einsammeln möchte und dafür Begleitung möchte: Kann täglich losegehen :- Übrigens: Auch Unternehmen haben Seelen …

Eure Ulriqe





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Radikal erlöst

Jeder Mensch ist in sich selbst erlöst. Denn er ist ein bedingungslos geliebtes Gotteskind.

Konfessionen und religiöse Schulen aller Art knüpfen an Erlösung jedoch immer eine Bedingung: Menschen müssen etwas Besonderes tun, sein oder glauben, damit sie von einer wie auch immer gearteten höheren Macht erlöst werden. Auch das allerdings nur eventuell, vielleicht und unter Vorbehalt.

Als in eine protestantische Familie hineingeborenes Kind habe ich nie verstanden, warum es heißt „durch seine Wunden sind wir geheilt“. Warum soll jemand für mich sterben?

Natürlich: Jedes „Sterben fürs Vaterland“ erhält nur einen Sinn, wenn es die Vorstellung eines Opfertodes gibt. Doch der ist, mit Verlaub, eine menschliche Erfindung. Jesus Christus war und ist für mich der Radikale, der in seiner liebenden Ganzheit das System gestört hat. Menschen in ihre Größe zu begleiten, einfach durch das Wort – nimm dein Bett und geh, klopfet an, so wird euch aufgetan, bittet,so wird euch gegeben – unerhört!

So jemand ist für eine Kultur der Hierarchie unendlich gefährlich. Darum musste er „weg“. In einer der schauerlichsten Prozeduren, die die Welt je gesehen hat. Am Kreuz, das dem Buchstaben T ähnelt, dem letzten Buchstaben des hebräischen Alphabetes, der Leben und Mensch bedeutet. Merket die Zeichen. Menschen verursachten diesen Tod.

Andere Menschen schafften es, diesen Tod Gott zuzuschieben bzw., noch absurder, seinem auserwählten Volk, dem man seine Auserwähltheit neidet, die ewige Geborgenheit. Dabei sollte doch mindestens seit Jesu Wirken klar sein, dass a l l e Menschen bedingungslos geliebte Gotteskinder sind – eigentliche Erkenntnis der Reformation – egal, wo sie leben. Dass sie dies sind, ist nach wie vor nur eine Bedrohung für weltliche Hierarchien, nicht für Menschen. Denn Kinder lernen Hierarchie erst im Laufe ihres Lebens, wie man ja mittlerweile auch aus Forschungen weiß, leider lernen sie es sehr früh.

Was passiert jedoch, wenn alle Menschen in ihrer Kraft sind, sich selbst so bedingungslos liebend wie ihren, ihre Nächste/n? Genau. Das gäbe eine Kultur der Augenhöhe. Kreativ, friedlich, einander fördernd.

Erfreulicherweise entwickelt sich die Menschheit gegenwärtig in besonderem Maße in genau diese Richtung rasant weiter. Menschen suchen außerdem verstärkt nach Möglichkeiten, heil und ganz zu werden. Denn sie s i n d heil und ganz gemeint und hören immer lauter den Ruf ihrer Seele.

Noch stecken allerdings zu viele hierearchische Konzepte in den Köpfen und Systemen, auch zum Thema Ganzwerden. Richtig ist jedoch, dass jeder Mensch dies in Eigenregie erreichen kann, darf, soll. Dafür gilt es lediglich, überholte, ererbte, erworbene Prägungen loszulassen.

Ja, das kann und darf man tun, o h n e dass einen der Blitz trifft oder einem der Himmel auf den Kopf fällt. Was vielleicht passiert: Dass schon wieder weltliche Mächte versuchen, ein Ganzwerden zu verhindern. Zu sehr kleben diese Mächte an ihren Mustern von Bedeutsamkeit, die sie brauchen, um die Löcher ihres inneren Opferseins zu stopfen.

Vor drei Jahren haben wir Apocluther auf die Bühne gebracht. Der Schlussatz lautete: Das da, diese radikale Getragenheit, die ist immer und ewig und einfach so da.

Genau diese Getragenheit macht ganz und heil. Weil bedingungslose Liebe, das ist diese Getragenheit, verlorene Seelenanteile zurückholt. Einfach so. Darum ist jeder Mensch in sich selbst bereits erlöst, der sich in dieser Getragenheit weiß – und dieses Erlöstsein zulässt. Genau dort liegt jedoch das noch Unerlöste: Das Gelernthaben, das es jemand a n d e r e s für uns tun würde oder müsste. Nein. Du bist ein geliebtes Gotteskind. Dein Geburtsrecht ist, heil und ganz zu sein und Deine Seelenanteile zurückzuholen. Zum Beispiel mit Lebenskunst. Das sind keine Methoden, sondern vergessene Kulturtechniken zum Ernstmachen mit dem, was die Quintessenz des All-Eins ist: Liebe. Für jeden und jede gleich viel. Von oben kommend und Balance, also Frieden zwischen Mensch, Tier und Welt, erwirkend.

Der Mensch ist frei, als Gotteskind zu handeln, gut gelaunt, geliebt und unversehrt. Doch der Mensch kann’s leider noch nicht fassen, darum macht er’s immer noch verkehrt. (Aus Apocaluther). Aber man kann‘ s ja anders machen, wenn man‘ s möchte.

Eure Ulriqe

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Schützendes Schattenpaar

Irgendwann treffen Männer und Frauen ihren Schattenkönig, ihre Schattenkönigin. Beide werden innerlich von beiden begleitet.

Je nach persönlicher Geschichte tritt das Schattenpaar unterschiedlich stark in Erscheinung – und oft sehr spät. Zu mächtig sind beide, regieren lange im Verborgenen. Schattenkönig und Schattenkönigin unvorbereitet zu begegnen, ist nicht ratsam.

Das Schattenpaar ist das, was Menschen im Innersten zurückhält. Auch dann noch, wenn sie schon viel ans Licht gebracht haben, schützt das Schattenpaar vor allem, was zu viel ist oder was – noch – gefährlich werden könnte. Nur hin und wieder tritt es zur Seite, um einen Eindruck davon zu vermitteln, was passiert, wenn Menschen ihr Licht leuchten lassen. Anschließend nimmt das Paar seinen Platz wieder ein und verbirgt die menschliche Essenz. Denn niemand brachte uns bei, wie damit umzugehen sei.

Den Weg wirklich frei geben beide erst, wenn sich Menschen zu ihren tiefsten Schatten, den ältesten Wunden begeben. Je mehr man sich diesen nähert, desto mehr treten Schattenkönig und Schattenkönigin zurück. Es sieht aus, als würden sie zurückweichen. Doch sie sagen damit nur: Ja, hier geht es lang. Noch ein Schritt und noch einer. Gleich hast du es geschafft. Wer sie genau betrachtet, sieht ein Lächeln in ihren Schattengesichertn.

Und dann, sogar schon, bevor die tiefsten Schatten ganz beleuchtet sind, stehen dort Lichtkönig und Lichtkönigin, noch fahl im Licht von Morgenröte und Abenddämmerung. Verwandelt durch unser beharrliches Vorwärtsgehen. Dann ist dort Tag, wo vorher Nacht, und Freude, wo vorher Schmerz gewesen war.

Du möchtest Begleitung für Deinen Weg zu Deinem Lichtkönig, Deiner Lichtkönigin? Gerne gehe ich ein Stück mit Dir und unterstütze Dich, den Weg möglichst selbst zu gehen. Denn den Moment der Begegnung mit Deinem Lichtpaar.genießt Du am besten ganz für Dich.

Deine Ulriqe





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Aus der Bahn

Die Frau im Zug hatte keine Fahrkarte. Der Automat in Frankfurt hätte ihr kein Geld gegeben. Einen Ausweis hatte sie nicht. Nur die Karte einer Krankenversicherung. Das kostet 60 Euro, sagte die Kontrolleurin. Ja, sagte die Frau und holte einen verknitterten Bankauszug aus ihrem Geldbeutel. Es ist Geld auf dem Konto, sehen Sie mal, sagte sie zur Kontrolleurin und gab ihr den Auszug. Diese sah ihn an und nickte. Ich fahre in die andere Stadt, weil da mein Konto ist, sagte die Frau. Ich konnte immer in Frankfurt Geld abheben. Heute plötzlich funktionierte das nicht mehr. Hier ist meine Adresse. Sie zog noch ein Papier aus dem Portemonnaie.

Die Kontrolleurin verzog keine Miene, blieb höflich und bereitete ein Papier vor, mit dem die Frau das Geld überweisen sollte. Das Papier übergab sie der Frau, erklärte noch ein paar Formalitäten und ging dann.

Die Frau schaute aus dem Fenster. In Frankfurt am Bahnhof, sagte sie zu mir, muss man immer aufpassen, dass man nicht beklaut wird. Mir ist die Handtasche geklaut worden. ßSeither habe ich keinen Ausweis mehr. Ich weiß, ich brauche einen neuen. Aber ich brauche einen türkischen. Das kostet viel Geld. 400 oder 500 Euro. Man muss zum Konsulat fahren. Mehrfach. Auch das kostet.

Mein Freund ist vor vier Jahren gestorben. Einfach so, im Schlaf. Ich bin dann aus H. weggegangen. Bin nie wieder in die Wohnung zurückgekehrt. Da gab es dann eine Räumungsklage, alles wurde weggeworfen. Einfach so ist er gestorben. Das wünsche ich mir auch für mich, so einen Tod, sagte sie.

Meine Kinder habe ich damals zu meiner Mutter gegeben, erzählte sie weiter. Mein ältester Sohn ist 24. Der ist Fußballprofi. Fährt ein großes Auto. Mein Tochter ist 21. Sie hat Abitur gemacht. Was sie jetzt macht, weiß ich nicht. Mein jüngster Sohn ist 17. Er war auf der Realschule. Nein, ich will keinen Kontakt. Meine Kinder sollen nicht wissen, wie ich lebe.

Ich habe mit 17 geheiratet und mich nach ein paar Jahren von meinem Mann getrennt. Ich habe nichts gelernt. Ich würde gerne etwas arbeiten. Ich würde gerne auch einen Computerkurs machen. Ich glaube, bei der Volkshochschule gibt es so etwas.

Erst habe ich nach dem Tod meines Freundes uf der Straße gelebt. Dort musste ich mich entscheiden, ob ich anschaffen gehen oder dealen will. Ich habe mich fürs Dealen entschieden. Dann war ich 19 Monate im Knast.

Als ich wieder draußen war, habe ich einen Mann kennengelernt. Der ist 14 Jahre älter als ich. Er arbeitet schwarz. Er ist lieb. Er hat mich von der Straße geholt. Wir wohnen in einer Einzimmer-Wohnung.

Eigentlich hätte ich mir eine Fahrkarte kaufen können. Mein Freund hatte mir 40 Euro gegeben. Aber ich habe mir Stoff gekauft.

Als mein früherer Freund gestorben war, habe ich das Trinken angefangen. Können Sie sich das vorstellen? Ich habe drei Flaschen Vodka am Tag getrunken. Im Knast war ich clean. Null Drogen.

Ich spreche so gut Deutsch, weil ich mit einem Jahr nach Deutschland kam. Meine drei Geschwister wurden hier geboren. Denen geht es allen gut.

Ich hätte nie gedacht. dass es mir so gehen könnte. Vielleicht sollte ich mich mehr um mich kümmern. Kontakt mit meinen Kindern aufnehmen. Aber … vielleicht besser nicht.

Soweit zusammengefasst, was mir die Frau erzählte.

Was sie und ich dann noch besprachen, schreib ich hier nicht. Nur so viel: Sie überlegt, ob sie Kontakt zu ihren Kindern aufnimmt.

Das würde mich freuen. Doch ich werde es nicht erfahren. Wir kennen unsere Namen nicht. Geht sie den Weg, den sie mir beschrieben hat, den sie gehen will, würde ich sie vermutlich nicht wiedererkennen.

Wenn wir Wunder zulassen, werden Wunder geschehen. Der Satz hat ihr gefallen.


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In der Mitte des Lichts

Yin Yang ist ein schönes Zeichen. Sinnbild für innere Balance bzw. die Balance zwischen zwei Menschen.

Doch warum sollte das eine Balance von Licht und Schatten sein?

Schatten müssen richtig beleuchtet werden. Was darin ist, möchte ein Mal gesehen und in bedingungsloser Liebe angenommen werden, wie es ist. Anschließend geht es, und Licht wird dort, wo es gewesen war.

Immer wieder ist jedoch zu lesen und zu hören, man müsse Schatten und Licht in sich selbst in Balance bringen. Reine Energieverschwendung!

Was durch kontinuierlliche Beleuchtung entsteht, gleicht weniger einem schwarz-weißen Wunderwerk denn einem Teelicht, das auf den Punkt gemittelt ist.

Wer Schatten weiter in sich integrieren möchte – bitte sehr. Das Universum ist dunkel. Wir sind potenziell hell. Das könnte uns hinsichtlich einer anders gemeinten Balance zu denken geben.

Noch ein Einwand: Dann muss halt der eine hell und der andere schattig sein!

Nö. Der oder die andere hat genauso wie wir das Recht, licht unterwegs zu sein.

Okay. Aber wo Licht, da auch Schatten. Hm, nein, nicht unbedingt. Denn sobald wir direkt von oben beleuchtet werden, ist kein Schatten zu sehen.

Beleuchtung von oben. So arbeitet Sea-Balance, was übrigens weniger eine Methode als Geburtsrecht aller Menschen ist: Mittels bedingungsloser Liebe ganz werden, ganz einfach.

Wie bereits erwähnt, nur bei einem Sachverhalt stimmt das mit Yin Yang und der Balance von Hell und Dunkel: Wir und das, was uns da draußen umgibt, außerhalb von Welt.

Und das wäre ja ziemlich prima, wenn wir uns mal in einen größeren Kontext setzten hinsichtlich dem, was wir hier auf Erden zu tun haben.

Frohes Beleuchten wünscht Euch

Eure Ulriqe


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Genug gekniet

Wer hat eigentlich das Kasteien erfunden? Wo und wann entstand die Idee, dass es irgendwem wohlgefällig wäre, wenn man sich erniedrigt, züchtigt, zu Kreuze kriecht, auf Knien nach Canossa rutscht etc.?

Ein sehr lieber Mensch erzählte mir von spirituellen Retreats, bei denen man stundenlang kniet und meditiert. Manager gingen dorthin, Psychologen, Therapeuten aller Art, Fastenanleiter … und weil das Knien so weh tut, nehmen die Leute Schmerzmittel. Damit sie länger knien können.

Durch diese Retreats erhoffen sich die Menschen innere Heilung. Mir fällt da nur die Formulierung aus der Lutherbibel ein: auf dass ein noch größer Getümmel ward. In diesem Fall nämlich in diesen Menschen selbst. Sie, die wegen Seelenpein zu solch heftigen Retreats gehen, erhoffen sich Erlösung durch noch mehr Schmerz. Den sie gleichwohl betäuben. Was jedoch den Körper noch mehr belastet.

In den Menschen scheint eine tief verwurzelte Überzeugung zu wohnen, dass Glück nur durch Leid zu erhaschen sei. Das kommt vielleicht – zumindest im sogenannten christlichen Abendland – daher, dass man gelernt hat: Jesus Christus ist auf schreckliche Art und Weise gestorben und dann auferstanden. Demnach erst der Schmerz und dann, wenn durchlitten, kurze Zeit schöne Zeit, bis das Leid wieder anfängt.

Nun hat aber gerade Jesus von Nazareth den Leuten, die zu ihm kamen, n i c h t gesagt, dass sie erstmal noch ein bisschen mehr leiden müssten. Im Gegenteil. Nimm dein Bett und geh. Klopfet an, so wird euch aufgetan. Bittet, so wird euch gegeben.

Das Schöne daran: Es funktioniert! Es sei denn, man hat Gegenprogramme (siehe Blogtext von gestern), die man aber löschen kann. Oder man hat hierarchisch einen oder eine über sich, die bestimmt, dass man zu leiden hätte. Göttlicher Wille ist das nicht. Das ist alles menschengemacht. Und nur die Menschen können das auch ändern. Aber nicht auf Befehl. Sondern jeder in bedingungsloser Liebe für sich selbst und die anderen.

Wer so lebt, lässt niemanden mehr stundenlang knien, weil es der Erleuchtung diene. Wer so lebt, tut sich auch kein Knieschmerzmittel mehr an. Sondern sucht sich eine fröhlichere, leibfreundliche statt leibfeindliche Betätigung. Dazu eventuell bisschen Sea-Balance: Einfach aus dem System rauslösen, was belastet. Ohne langwierige Retreats. Sonden mitten im Alltag, sanft, ohne Belastung oder Kasteien.

Leid, Schmerz, Not und so weiter können aufhören. Wir sind nicht auf dieser Welt, um zu leiden.

Das meint zumindest

Eure Ulrike

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Der Null-Sessel

Der Mann hatte mir immer viel von Leichtigkeit erzählt. Denk nicht soviel, sagte er gerne. Ich dachte dann: Kunststück. Manche Leute wollen über bestimmte Sachen nicht nachdenken, darum haben dann andere entsprechend mehr zu denken. So stimmt’s unterm Strich wieder. Wat der eine zu wenig hat, hat der annere zu viel, um es bisschen Möchtegern-Plattdütsch zu formulieren. Klingt leichter 🙂

Doch dann wollte dieser Mann eines Tages Sea-Balance ausprobieren. Okay, fragte ich ihn. Was willst Du ändern?

Ich sitze in meinem Sessel, sagte er zu mir, und warte, dass was zu mir kommt. Etwas, das ich machen kann. Aber es kommt nichts.

Äh, sagte ich, wieso soll was zu dir kommen? Du könntest dich ja ein wenig auf den Weg zum Ziel machen. Ist ja das Ideal: Man begibt sich auf den Weg, das Ziel ebenfalls – und irgendwann weiß man nicht mehr, wer auf wen zugeht.

Ja, sagte er. Aber … Gut, sagte ich, wir gucken. Wir testeten also, ob er überhaupt er selbst war und diese ganzen Basis-Sachen. Dann fragten wir nach der Ursache dafür, dass er so passiv ist, so inaktiv, ich weiß nicht mehr genau das Wort, das er dann verwendete, um sein Befinden zu beschreiben. Zumindest zeigte sich ein sogenannter Glaubenssatz, der da lautete: Das Leben ist schwer.

Da sagte der Mann ganz überrascht: Komisch. Ich war der festen Meinung, dass ich weiß, das Leben ist leicht. Tjaaaa!, sagte ich. Das hast du dir nun jahrelang so gesagt, immer wieder. Mir ja auch. Aber in dir drin lief das Kontrastprogramm. Da kannst du lange behaupten, das Leben sei leicht. Hast du so ein unbewusstes Denkmuster, das genau das Gegenteil sagt, kommt was raus?, fragte ich ihn. Er überlegte.

Null?, fragte er dann. Ja, sagte ich. Darum sitzt du dann untätig rum, sozussagen im Null-Sessel, und wartest. Kraftlos.

Er ergänzte: Energielos. Bingo, sagte ich. Willste den Satz Das Leben ist schwer löschen? Klar!, sagte er. Also löschten wir den Satz. Wir arbeiteten dann noch ziemlich lange weiter und fanden weitere Klöpse, wie ich das gerne nenne.

Die Moral von der Geschicht: Affirmationen, auch die berühmten Bestellungen beim Universum funktionieren nicht, wenn im menschlichen Individualsystem Gegenprogramme zu dem aktiv sind, was man gerne hätte. Wie gut, dass man die finden und löschen kann, diese Programme. Einfach so, ganz leicht, mit Sea-Balance.

Du willst wissen, ob der Mann immer noch in seinem Sessel sitzt und wartet? Soweit ich weiß, hat er ziemlich gut zu tun.

Alles Liebe,
Deine Ulriqe


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