Friedenslichtig beginnen

Theodizee: Sagen Sie bloß, Sie wollen noch mehr Thesen verbreiten.
Luther: Wenn du ein Kind siehst, hast du Gott auf frischer Tat ertappt.5 Erraten, meine Liebe, ich hab damals nämlich fünf Thesen vergessen.
Theodor: Vergessen??!
Luther: Ja! Oder sagen wir so: Vielleicht hab ich mich damals noch nicht so ganz getraut, die fehlenden fünf auch noch zu schreiben.
Theodizee: Naja, also Sie und nicht getraut … da muss ich mal lachen. Haha.

Nicht Gott hat gesagt, Du sollst Dein Licht unter einen Eimer stellen.
Das hast Du selbst gesagt und getan als Schutz.
Andere haben es Dir vorgemacht,
weil sie es von anderen vorgemacht und gesagt bekommen hatten.
Als Schutz vor dem, was ihnen begegnete:
Die Dunkelheit, die entsteht, wenn lauter Lichter unter Scheffeln
und Eimern stehen.

Vielleicht lebst Du sogar
ganz unter dem Eimer, sehnst Dich hinaus
und bleibst doch dort,
blind kennst Du Dich aus in dieser Dunkelheit.
Du weißt und fühlst in einem tief verborgenen Winkel,
dass Gott Dich heil und ganz gemeint hat.
Nur so, wie Du bist, denkst Du,
bist Du nicht gewollt.
Also machst Du Dich so, wie Du gewollt wirst
von den anderen Lichteimern,
die nicht gestört werden wollen:
Mach bloß kein Licht, dass wir unsere Schatten nicht sehen!,
rufen sie Dich zur Raison,
vielleicht sogar gewalttätig.

Mensch, wer soll denn friedenslichtig beginnen, wenn nicht Du?
Gott hat Dich bei Deinem Namen gerufen. Du bist frei.

Du kennst dich aus in den Worten des Zuspruchs?
Du sagst, es heißt anders. Gott spricht: Du bist mein.

Ja. Darum bist Du frei.
Erkenne das Wunder.

Das Licht durchbricht die Dunkelheit, nicht umgekehrt.

Du entscheidest, ob, wann
und in welcher Intensität Du Dein Licht
gottverbunden leuchten lässt.
Schütze Dich unter dem Eimer, solange Du magst.
Irgendwann tauscht Du den Eimer gegen den lichten Schatten
göttlicher Flügel der Geborgenheit.

Gott kennt weder Zeit noch Ungeduld.
Gott sieht und liebt.
Dich.
Ohne Bedingungen,
bei vollem Bewusstsein.

Wenn Du magst, mach Gott das nach.

 

5 Martin Luther zugeschrieben, dem Sinn nach berechtigt. Siehe auch Kindheit im Wandel – Blickwechsel in der Religionspädagogik. In: Esser, Annette/ Günter, Andrea/ Scheepers, Rajah (Hg.): Kinder haben – Kind sein – Geboren sein. Philosophische und theologische Beiträge zu Kindheit und Geburt. Frankfurt 2008, 106-119″

 

 

||||| 0 Find ich gut. |||||

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.