Da wuchsen Margeriten

Fünftes Chorkind: Aber wir Kinder wissen das doch, das mit der Liebe. Wir kommen auf die Welt und sind Liebe pur. Wir kommen ja direkt von dort, von Gott. Glaub ich zumindest … Wir kommen also aus dieser bedingungslosen Liebe Gottes auf diese Welt und erleben vom ersten Tag an, wie das hier zugeht auf der Welt.
Erstes Chorkind: Und weil wir selbst als Babies noch so bedingungslos lieben und weil wir so klein sind, lassen wir uns alles gefallen. Wir müssen uns alles gefallen lassen. Wie sollen wir sonst überleben.
Zweites Chorkind: Und schwupps, haben wir was ganz anderes gelernt, als was eigentlich Sache ist.
Drittes Chorkind: Die Großen können aber nichts dafür. Sie haben es ja selbst nicht anders gelernt.

Traumata werden durch die Generationen weitergegeben, vererbt.
Das macht Leid und Traurigkeit, ohne dass man weiß, woher es kommt.
Man kann Traumata in Frieden bringen.
Durch Transformation.
Aus der Dunkelheit ins Licht.
Das zu tun, so zu leben, bedeutet für mich Reformation 2.0.
Aus diesem Bewusstsein heraus habe ich Die Kinder des Lichts geschrieben, ein Mehr-Generationen-Singspiel, das die Chorkinder 2015 aufgeführt haben. Anlass war 70 Jahre Kriegsende.
Darin heißt es in einem Lied:

Als ich ein kleiner Junge war, da lag die Welt in Trümmern.
Mein Papa war weit fort von mir, er konnte sich nicht kümmern.

Als ich ein kleines Mädchen war, marschierten die Soldaten.
Dann war’n sie fort und jeder schwieg von dem, was diese taten.

Als ich ein kleiner Junge war, lag Schnee an einem Morgen.
Die Mama kam mit einem Brief, ich machte mir viel Sorgen.

Als ich ein kleines Mädchen war, da sah ich Schutt und Asche.
Ich musste von zu Hause fort, mit einer leeren Tasche.

Als ich ein kleiner Junge war, war’s kalt in meinem Zimmer.
Mein Papa fror im kalten Schnee, das fand ich so viel schlimmer.

Als ich ein kleines Mädchen war, da wuchsen Margeriten,
Vergissmeinnicht und Rosen rot, die hat man abgeschnitten.

Als ich ein kleiner Junge war, als ich ein kleines Mädchen war.
als ich ein kleiner Junge war, als ich ein kleines Mädchen war …

Und weiter heißt es:

Opa (zum Enkelkind): Weißt du was, ich glaube, ich hab einfach Angst, dass ich das alles vergessen könnte, was ich erlebt habe. Dass ich das alles vergessen könnte, wenn es in mir wieder hell wird. Darum lass ich es lieber dunkel in mir.
Enkelkind: Aber da kannst du es doch gar nicht richtig sehen.
Opa: Ich will es ja auch nicht sehen. Aber ich will es auch nicht vergessen.
Frau Kummer: Den ganzen Kummer kann man nicht vergessen.
Herr Flucht: Vergessen wäre ja so, als hätte es den Krieg nie gegeben.
Zweites Chorkind: Es gibt doch immer noch Krieg auf der Welt.
Drittes Chorkind: Gibt es nicht irgendwas anderes zwischen
Immer-dran-denken und Vergessen?

Die Kinder schlagen Psalm 139 vor:

Von allen Seiten umgibst du mich
und hältst deine Hand über mir.
Und nähme ich Flügel der Morgenröte
und bliebe am äußersten Meer,
so würde mich doch deine Hand daselbst führen
und deine Rechte mich halten.

Von allen Seiten umgibst du mich
und hältst deine Hand über mir.
Spräch ich: Finsternis möge mich decken!
so muss die Nacht auch Licht um mich sein.
Denn auch Finsternis ist nicht finster bei dir,
und die Nacht leuchtet wie der Tag.

Von allen Seiten umgibst du mich
und hältst deine Hand über mir.
Denn auch Finsternis ist nicht finster bei dir,
und die Nacht leuchtet wie der Tag,
Finsternis ist wie das Licht bei dir
Die Nacht leuchtet wie der Tag.

((nach Psalm 139))

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