Reformation der Herzen. Das Schattenpaar gibt den Weg frei, wenn wir ihm furchtlos entgegentreten.

Irgendwann treffen Männer und Frauen ihren Schattenkönig, ihre Schattenkönigin. Beide werden innerlich von beiden begleitet.

Je nach persönlicher Geschichte tritt das Schattenpaar in uns Menschen unterschiedlich stark in Erscheinung – und meist erst sehr spät. Zu mächtig sind beide, regieren lange im Verborgenen. Man lege sich mit beiden nicht vor der Zeit an. Schattenkönig und Schattenkönigin unvorbereitet zu begegnen, ist nicht ratsam.

Das Schattenpaar ist das, was uns im Innersten zurückhält. Auch dann noch, wenn wir schon viel transformiert und ans Licht gebracht haben. Das Schattenpaar schützt uns vor allem, was noch zu viel für uns ist oder was uns gefährlich werden kann. Nur hin und wieder tritt es zur Seite, um uns einen Eindruck davon zu geben, was passiert, wenn wir unser Licht leuchten lassen.

Bei kirchlichen Veranstaltungen wird gerne ein Text gelesen, den Nelson Mandela 1994 in seiner Antrittsrede verwendet hat. Der Text ist von Marianne Williamson, er beginnt so:

Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind, unsere tiefste Angst ist, dass wir unermesslich machtvoll sind. Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit. Wir fragen uns: „Wer bin ich eigentlich, das ich leuchtend, hinreißend, begnadet und phantastisch sein darf ?“ Du bist ein Kind Gottes. Wenn du dich klein machst, dient das der Welt nicht.

Der Text sagt, was ist: Der Mensch ist mit dem Göttlichen verbunden. Darum ist es nicht ratsam, sich klein zu machen, damit sich andere nicht verunsichert fühlen. Es ist genau so verkehrt, sich groß zu machen, um andere klein zu halten. Sondern alle Menschen wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes zu verwirklichen, die IN UNS ist. Nicht in einigen. Sondern in jedem.

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst bedeutet, uns selbst und anderen die Erlaubnis zu geben, das innere Licht erstrahlen zu lassen, das Licht, das die bedingungslose Liebe ist und das von außen kommt. Wer sich von seiner eigenen Angst des Leuchtens befreit, hilft anderen dabei, das ebenfalls zu tun.

Das Schattenpaar, wie ich es nenne, hält uns jedoch zurück, das zu tun. Ich nenne sie Schattenkönigin und Schattenkönig, weil sie der Schatten unserer inneren seelischen Macht sind, vor der wir uns so fürchten.

Das hat sehr viel mit dem Christentum, Luther und seinen Erkenntnissen zu tun. Denn der Mensch „darf“ und soll sich demnach ja seiner Verbindung mit Gott, dem Göttlichen wieder bewusst sein und die Konsequenzen daraus ziehen.

Was das jedoch konkret heißt, davor haben die Menschen immer noch Angst.

Viele verdrängen darum ihre Schatten und tun sehr groß. Oder sie versinken darin und fühlen sich sehr klein. Dazu kommen viele weitere Varianten des „ich hab und du nicht“ – die Kinder singen in APOCALUTHER im Lied Apocalypso davon, wie sinnlos das ist.

Schattenkönig und Schattenkönigin hüten in uns die tiefsten Schatten, die tiefste Gekrümmtheit. Sie geben den Weg frei, wenn wir uns auf den Weg zu den Schatten und das Dahinter machen.

Dann stehen dort Lichtkönig und Lichtkönigin.
Noch fahl im Licht von Morgenröte und Abenddämmerung.

Jahrtausende wuchsen Menschen auf im Glauben, dass dieses innere Licht, das von außen in sie kommt, für sie selbst NICHT bestimmt sei. Sie nahmen sie sich andere, unerreichbar scheinende Lichtgestalten zum Vorbild, zum Beispiel Maria – oder sie erhielten diese als unerreichbar vor die Nase gestellt.

Diese Zeiten sind vorbei.
Wenn wir das für uns selbst wollen, wenn wir uns dafür entscheiden.

In Apocaluther sagt Luther, dass er seine Erkenntnisse gewonnen hat, weil er „in die Bibel hineingekrochen“ ist. Er erwähnt auch den Leviathan, mit dem er zu kämpfen hatte. Der Leviathan ist das, was uns noch hinter dem Schattenpaar erwartet.

Heute ist Reformationstag. Reformation 2.0 besagt, dass es Zeit wird, ins Bewusstsein der Ungetrenntheit vom Göttlichen zurückzukehren. Es ist eine Entwicklung, die sich auch außerhalb der Ev. Kirche abspielt:

Reformation 2.0 ist die Reformation der Herzen.

Darum hat dieser Blog zum 1. November 2016 ein neues Erkennungs-Bild – siehe oben. An die Stelle des männlichen Luther, einem Ölgemälde aus den 1920er Jahren, wird ein Mensch treten, der sein Licht leuchten lässt.

Weil sein Herz es ihm sagt und er darauf hört.

 

||||| 1 Find ich gut. |||||

2 Gedanken zu „Reformation der Herzen. Das Schattenpaar gibt den Weg frei, wenn wir ihm furchtlos entgegentreten.“

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