Selektion. Frauen und Kinder an der Rampe in Auschwitz.

Selektion
– Triptychon nach einem Bild aus Auschwitz –

270 x 130 cm
Finkhofwolle, Haselzweig
Gefilzt vom 30. Dezember 2008 bis 2. Januar 2009

An der Rampe von Auschwitz war es verboten zu fotografieren.
Aber es gibt Fotos.

Als ich begonnen hatte, Mütter mit Kindern im Arm darzustellen, archaisch gefilzt aus dunkler und weißer Wolle, sah ich eines Tages das bekannte Foto wieder, das Frauen mit Kindern an der Hand und auf dem Arm zeigt, an der Rampe in Auschwitz. Menschen ohne Namen.

So entstand der mittlere Teil dieses Triptychons. Während der Arbeit daran beschloss ich, die zwei weiteren Teile zu machen. Denn das Foto zeigt nur einen Ausschnitt. Wie viele Menschen werden es gewesen sein, die vor und hinter denen standen, die das Foto zeigt?

Wie viele Gestalten auf Selektion zu sehen sind, habe ich nie abgezählt. Das hat viel später jemand anderes getan und das Bild in den Kontext zu den 36 Gerechten gesetzt. Diese Legende aus der jüdischen Mythologie besagt, dass es auf der Welt stets sechsunddreißig Gerechte gibt, um derentwillen Gott die Welt, trotz ihrer Sündhaftigkeit, nicht untergehen lässt.

Selektion zeigt 37 Gestalten. Vielleicht ist die große in der Mitte ein begleitender Engel? Ich weiß es nicht.

Solche Bilder machen. Über diese Themen. Das habe ich nie gewollt oder gesucht. Das war eines Tages da. Mach das, wurde mir aufgetragen.

Einige Wochen vor der ersten Ausstellung in 2009 sah ich eine Dokumentation auf youtube. Bei einem Interview einer Zeitzeugin war plötzlich das besagte Foto zu sehen. Alice Lok Cahana, geboren in Ungarn, heute in den USA lebend, hatte erkannt
ihre Tante Jolana Wollstein
mit ihren vier Kindern
Erwin, 8 Jahre
Dori, 10 Jahre
Judith, 6 Jahre
Noemi, 2 Jahre.

 

Institutionen können Seletkion ein halbes Jahr lang ausleihen.
Melden Sie sich einfach bei mir.

Seit ich diese Bilder und Objekte öffentlich zeige, habe ich gemerkt, dass sie auf eine bestimmte Art und Weise sehr tief wirken. Sie holen individuell und kollektiv Verdrängtes aus den Winkeln.

Die Institutionen können bekannt machen, dass sie ein Werk nutzen, müssen es aber nicht. Eine Dokumentation über die Nutzungsdauer und das, was während dieser Zeit evtl. veranstaltet wird oder durch das Werk „geschieht“, kann, muss aber nicht erstellt werden. Ich werde jedoch ein Foto erbitten, das das Werk dort zeigt, wo es das halbe Jahr lang sein wird. Es fallen keine Leihgebühren an, lediglich Transport und Versicherung sind zu klären.

 

 

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