Tagebuchaufzeichnung anno 1945

„Werden wir je wieder normale Menschen werden? Wie ein Stück Dreck hat uns diese Zeit in ihre blutigen Fäuste genommen und uns hineingeklatscht in das Grauen, den Sadismus, den Wahnsinn.

Einer kriecht auf allen Vieren vorwärts, bleich im Entsetzen vor dem nahenden Ende. Niemand achtet darauf, nicht der nächste Nebenmann. Jeder kennt nur sich, fühlt nur dumpf die eigne Qual. Sein furchtbares Leiden betäubt ihn, Tag und Nacht.

Wie gut, daß ihr daheim nicht wißt, wie furchtbar wir unsere Qual durch die Stunden tragen. Eure armen, geschwächten, ängstlich horchenden Herzen müßten daran zerbrechen.”

Franz Ballhorn, KZ Sachsenhausen; aus: Walter Kempowski, Das Echolot Abgesang ‘45, Ein kollektives Tagebuch, btb Verlag, Seite 163 f., Abdruck in der Dokumentation der Kollektiven Performance 24-29-3-45 (2012) mit freundlicher Genehmigung des Albrecht Knaus Verlags, München.

||||| 0 Find ich gut. |||||

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.