Kein Stück für Kinder

Ein Kinderchor singt. Also ist Apocaluther ein Stück für Kinder, oder?

Jein.

Die Kleinen bringen zusammen mit Erwachsenen einfach auf die Bühne, dass sie ganz genau wissen, woran es liegt, dass es auf der Welt so aussieht, wie es aussieht. Wie es anders werden kann. Und dass sie überhaupt keine Lust mehr haben, in diesem „blöden System mitzuspielen“ (Zitat aus dem Stück). Apocaluther ist ein Stück ohne Luther-Klamauk oder mittelalterliche Kostüme – und unterm Strich konfessionslos bis säkular.

Arno Gruen schreibt in seinem Buch „Der Kampf um die Demokratie“: Langfristig gibt es jedoch nur einen Weg, der aus der Misere führt und eine wirkliche Veränderung bedeutet: Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Kinder so aufwachsen, dass ein inneres Opfersein gar nicht erst entsteht.

Das innere Opfersein beginnt bereits im Mutterleib, denn schon dort bekommen Kinder mit, wie es hier zugeht auf der Welt und was sie erwartet. Sogar noch früher geht es los. Denn Kinder erben Traumata ihrer Eltern, ihrer Großeltern, ihrer Ahnen.

Kinder kommen voll bedingungsloser Liebe auf die Welt, und in dieser Liebe, die gleichzeitig freigiebig und annehmend ist (solange das Kind seine Halbwegs-Ganzheit noch hat), nimmt ein Kind Bürden und Verstrickungen seiner Ahnen mit in sein (Energie-)System – was heute die Epigenetik erforscht – und es verbiegt sich vom ersten Moment seines eigenen Daseins im Spiegel seiner Eltern, die – das ist das Entscheidende – selbst ebensolche energetischen Wracks snd.

„Die Eltern können aber gar nichts dafür. Sie haben es ja selbst nicht anders gelernt“, sagt ein Kind in Apocaluther. Darum ist die Frage nach Schuld auch so sinnlos. Denn wer ist ohne Schuld? Eigentlich jedes Kind Gottes – wenn es denn energetisch so ganz und heil wäre, wie Gott das gemeint hat.

Doch seit der Herauslösung aus dem Eins-Sein mit der göttlichen Energie, der allumfassenden Kraft, der bedingungslosen Liebe, die das Universum zusammenhält, beginnt der Mensch sein Dasein in der Getrenntheit. Die sorgt fast seit Anbeginn der Zeiten für das innere Opfer-Sein, das die Wissenschaft je nach Schweregrad auch Narzissmus, Borderline, Schizophrenie etc. nennt – und, ganz klar, das mögen bitte immer die anderen haben. Man selbst ist natürlich über jeden Zweifel erhaben, stark, erfolgreich um jeden Preis, setzt eine Maske auf, ist dem System, in dem das alles stattfindet, gehorsam und merkt es nicht einmal (vgl. Arno Gruen, „Wider den Gehorsam“).

Immer wieder fragen Menschen darum danach, wer „Schuld“ hat. Einer muss immer Recht haben, der Bessere sein, der Richtigere (wie damals, als es darum ging, sich den Eltern gegenüber so zu verhalten, dass man vermeintlich „geliebt wurde“). Zu selten geht es darum zu erforschen, WARUM das Schlimme, das zwischen Menschen passiert, eigentlich passiert – und wie man verhindern kann, dass es immer so weitergeht. Die Antwort darauf trifft ja eben ins Mark, nämlich ins eigene Tun, in die Elternhäuser, an die eigene Nase, und dabei sind doch alle so furchbar damit beschäftigt, selbst in der Welt irgendwie zurecht zu kommen und zu suchen, wer daran Schuld ist, dass es einem schlecht geht – was den sinnlosen Kreislauf von Macht und Ohnmacht aufrecht erhält, der nur daraus entsteht, dass energetische Wracks sich gegensitig das Leben schwer machen.

Energetische Wracks sind wir mehr oder weniger alle. Hans Joachim Maaz hat das in seinem Buch „Die narzisstsiche Gesellschaft“ sehr gut beschrieben. Das Buch war ein Spiegel-Bestseller, kommt zum gleichen Schluss wie Arno Gruen, aber Narzissten – das sind immer die anderen oder? Darum ändert sich auch so wenig und so langsam.

Ich stelle – Luther sei Dank – die Schuldfrage nicht mehr (was manchen Theologen vermutlich den Kopf schütteln lässt). Ich frage mich: Wie bekommen wir Menschen unsere verlorenen Seelenanteile, ohne die wir durchs Leben stolpern, zurück? Denn das geht. Das dürfen wir anleiern. Das können wir für uns und andere tun. Das ist regelrecht genau das, was Luther aus der Bibel herausextrahiert hat. Und für das Stück habe ich mich gefragt: Was kann Luther heute dazu sagen bzw. was hat er bereits gesagt und was wurde wohl noch nicht verstanden – denn sonst sähe es auf Erden anders aus – und warum wurde das nicht verstanden?

(Exkurs: Moment mal, verlorene Seelenanteile? Was soll das denn sein? Das ist das, was die Psychologie „verlorenes Selbst“ nennt, das Menschen immer dann abspalten, wenn sie ein Erlebnis emotional nicht verarbeiten können (Trauma). Das Selbst spaltet als Stressreaktion einen Teil von sich ab. Energie ist wertfrei, darum ist das irgendein Teil, irgendwo im eigenen System, der plötzlich nicht mehr zu einem gehört. So entsteht ein energetisches Loch, man fühlt sich fortan, als fehlte was – und das wird dann aufgefüllt mit dem, was „am Markt“ zu haben ist, und davon bitte je nach Grad der Versehrtheit besonders viel, Macht, Geld, Einfluss etc.)

„Gott hat den Menschen heil und ganz gemeint. Aber ein heiler Mensch stört natürlich das System“, ruft Martin Luther den Mächtigen der Welt aller Zeiten entgegen. Genau darum ist das mit dem Heilwerden auf Erden so schwer: Weil ein heiler Mensch die auf Erden aus der Getrenntheit heraus entstandenen Systeme aus Macht und Ohnmacht, Oben und Unten, Hell und Dunkel, Schwarz und Weiß stört, weil er da nicht mehr mitmachen will und kann. Und, ganz entscheidend: Er kämpft auch nicht dagegen. Er ist einfach da. Er lebt sein wirkliches Wesen, lebt sein ganzes Selbst, entwickelt sein Potenzial angstfrei und in Balance, liebt sich UND damit auch sein Gegenüber wie sich selbst. Ein von bedingungsloser Liebe erfüllter Mensch kann gar nicht anders.

Das klingt natürlich verlockend, hat es aber in sich. Denn es gilt dabei, in der Balance der Kräfte zu bleiben. Also nicht „alle Liebe für mich, für dich nix“, sondern 100/100. Dafür ist es wichtig, auch die tiefsten, ältesten Verletzungen zu heilen – was jedoch sehr weh tut und gerne verhindert wird. Darum driften leider auch spiriteulle Schulen so schnell ins Gurutum und sogar in die Rechtsradikalität (Antisemitismus ist für viele angeblich spirituell erweckte Leute leider typisch): Weil manche spirituell Erweckten, also die, die theoretisch genau verstehen, „wie es wirklich ist“, sich selbst ihren eigenen tiefsten Schatten noch gar nicht gestellt haben – und darum die Energie anderer, williger und suchender Menschen auf sich beziehen, zu sich ziehen, in ihr schwarzes energetisches Loch. Weil dem so ist, gibt es immer noch Menschen, die behaupten, man bräuchte „spirituelle Meister“ und „geistige Führer“, oder die verbreiten, nur sie hätten zum Beispiel die Möglichkeit, mit Gott zu sprechen, wären ein „Medium“, auserwählt (darum auch der Antisemitismus, denn Menschen mit großem inneren Opfer-Status neiden anderen Menschen den Status der Auserwähltheit) oder was auch immer. Es ist ihr eigenes inneres, ungeheiltes Opfersein, das sie mit „Göttlichkeit“ auffüllen wollen. Ihre willigen Jünger sind Menschen, die glauben, dass diese überhöhte Göttlichkeit des anderen sie selbst heil mache.

Jeder Mensch kann jedoch selbst mit Gott sprechen. Es gibt da keine Hierarchie, keine Erlaubnis, kein Dazwischen. Diese Erkenntnis verdanken wir der Reformation.

Kinder können noch mit Gott sprechen. Sie tun das auch, bis sie „richtig“ sozialisiert sind, „richtig beten“ gelernt und ihre Verbindung mit Gott verloren haben. Dann haben auch sie das Gefühl des „ich hier, Gott da oben“, das Gefühl der Getrenntheit, das die Entborgenheit des Menschen kennzeichnet und all das Leid auf Erden verursacht. Denn dann suchen auch die Kinder, die späteren Erwachsenen, Erfüllung in Macht und Geld oder in anderen Menschen, in Süchten aller Art (siehe dazu die Arbeiten von Anne Wilson Schaef).

Menschen bewahren sich jedoch, egal was ihnen passiert, irgendwo in ihrem Herzen den Funken Gewissen, der ihnen die Verbindung zum Licht, zu Gott, zum Bewusstsein des Eins-Sein mit dem All-Eins, wiederbringen kann. In Star Wars ist es Anniken Skywalker, der ganz zum Schluss doch noch „die Kurve kriegt“. Und so ist dieser Funken in jedem und in jeder. Egal, was er oder sie getan hat. Alle sind geliebte Kinder Gottes.

Dieses Denken brachte Gandhi dazu, Hitler als „mein Freund“ zu bezeichnen – eine unerhörte Sache. Doch Gandhi meinte die Essenz dieser Person, die aus ihrem eigenen Inneren-Opfer-Sein das „Heil(e)“ so pervertierte, dass die „Banalität des Bösen“ (Hannah Arendt) Alltag werden konnte. Diese Banalität ist nämlich genau das, was sich in Menschen Bahn bricht, die durch ihre Kindheit besonders großes inneres Opfersein erlitten haben (siehe dazu die Arbeiten von Arno Gruen, sein „Der Fremde in uns“ liegt u.a. Apocaluther zugrunde). Dass das pervertierte Heil, der Rechtsradikalismus, noch immer so viele Menschen fasziniert, liegt in der Tiefe und dem Ausmaß ihrer inneren Verletztheit, ihres inneren Opferseins. Welche Mächtigen der Welt aller Zeiten im Hohen Tribunal (Szene aus Apocaluther) dargestellt sind, mag sich jeder selbst ausdenken.

„Je mehr Liebe ihnen fehlt, wenn sie klein sind, desto grausamer ODER desto duldsamer werden sie, wenn sie groß sind“; sagt Luther in Apocaluther über Kinder. Luther kommt ja ins 21. Jahrhundert, weil er sich die Welt über 500 Jahre lang von der anderen Seite aus angesehen hat und weil es ihm langt, dass die Menschen trotz der Reformation immer noch nicht verstanden hat, was Gott mit Jesus Christus eigentlich gemeint hat.

„Gott hat in Jesus Christus denjenigen geschickt, der den Menschen die Verbindung zu Gott wiederbringt, als eine Gabe, einfach so“, fasst Theodor in Apocaluther eine Aussage aus „Martin Luther, Lehrer der christlichen Religion“ (Reinhard Schwarz) zusammen. „Ja“; antwortet Luther. „Gott liebt die Menschen bedingungslos. Sie müssen nichts dafür tun, dass es so ist.“ – Und würden alle Menschen das endlich verstehen, wären die paradiesischen Zustände wieder da.

Was Menschen fehlt, ist die Erfahrung, einfach so bedingungslos geliebt zu sein. Weil sie bereits mit ererbt-verlorenen Seelenanteilen auf die Welt kommen. Weil sie sich in ihren energetisch löchrigen, Inneren-Opfer-Eltern spiegeln und darauf reagieren und sich mehr oder weniger anpassen (müssen). Weil sie durch eigene Traumata weitere Seelenanteile abspalten.

Und doch leben Menschen weiter. Was für eine Kraft steckt in ihnen! Das ist nicht Todessehnsucht. Das ist Lebensgewissheit – und die hat etwas mit dem Gewissen zu tun.

„Wollen wir Kinder ziehen, so müssen wir auch Kinder mit ihnen werden“ ist ein Zitat von Martin Luther, das auch in Apocaluther vorkommt.

Apocaluther ist ein Extrakt religiöser, spiritueller, philosophischer, physikalischer, soziologischer und manch anderer Erkenntnisse, mit denen ich mich beschäftigt habe. Was mich nach wie vor fasziniert: Dass zwar irgendwie alle wissen „wie es wirklich ist“ – dass nämlich friedliches Miteinander möglich ist und ausschließlich von Menschen gemacht wird –, dass aber die Systeme, in denen wir leben, genau das aufrecht erhalten, wodurch dieses Miteinander unmöglich wird.

Die Erkenntnis der, das Bewusstsein für und das Leben in der Verbundenheit mit dem Göttlichen, der bedingungslosen Liebe, ist das, was Jesus Christus vorgelebt hat. Doch in dieser Verbundenheit zu leben, ist kein Vorrecht der Christen (die es ja (noch) ebenso wenig wirklich können wie alle anderen Konfessionen – und man stelle sich Kirche ohne Hierarchie vor …). Es ist auch kein Vorrecht irgendwelcher „Auserwählter“. Sondern es ist Geburtsrecht aller Menschen, in einem heilsamen Miteinander mit allen anderen Menschen zu leben, die eigene Mitte zu finden, die eigene Größe im eigenen Selbst und im Gegenüber mit dem Selbst der anderen zu leben. In bedingungloser Liebe und darum heilsam. Denn bedingungslose Liebe bringt verlorene Seelenanteile zurück. Darum wird der Mensch heil und gesund, ist er doch ohnehin von Gott heil und ganz gemeint. Atheisten können auch sagen: Von der Natur. Wollen Menschen friedlich leben, geht es nur darum, in bedingungsloser Liebe miteinander umzugehen.

Das ist freilich eine ganz andere Liebe als die bedingte Liebe, die wir Menschen kennen. Darum ist es seltsam, in die bedingungslose Liebe zu sich selbst zu kommen und dabei zu merken, wie man kein Gegenüber mehr „braucht“, um glücklich zu sein. Menschen, die in die bedingungslose Liebe finden, werden feststellen, dass sie das Glück in sich finden, in ihrem heilen Selbst. Sie werden unabhängig von äußerer Macht, von Konsum, von Sucht, von Führern und Gurus, ja, sogar vom Lebenspartner. Alles kann dann sein, nichts muss. Das ist nicht mehr der homo incurvatus in se, der in sich verdrehte Mensch (Luther). Sondern es ist der homo erectus in se. Und da schleicht das schon wieder um die Ecke: So ein heiler Mensch stört das System …

Der Weg in die bedingungslose Liebe, die eigene Mitte, funktioniert darum nicht über Hauruck-Aktionen, Revolution oder andere extreme Umschwünge. Von denen hat die Menschheit auch genügend hinter sich gebracht, ohne dauerhafte Erfolge erzielt zu haben. Sondern der Weg in die bedingungslose Liebe ist ein Schritt-für-Schritt-Weg, der sich durch die Reformation etwas verschnellert hatte. Denn die Reformation brachte ja die Erkenntnis in die Welt, dass man friedlich zusammenleben kann, obwohl man unterschiedlicher Meinung ist.

Bezüglich der gegenwärtigen weltpolitischen Lage lässt sich feststellen, dass die Gesellschaften in Europa bereits ziemlich gut in der Balance sind. Hier und da helfen extreme politische Kräfte dabei, die Mitte zu finden und dabei die Extreme im Auge zu behalten (das ist wichtig, um mittig bleiben zu können). Die Mitte wird darum auch breiter werden. Denn auf dem Weg in ihre Balance befindliche Menschen werden immer achtsamer und feinfühliger in ihrer Wahrnehmung der Extreme, in die es gehen kann, wenn man nicht gut für sich und andere sorgt (sic!, liebe deinen Nächsten wie sich selbst).

Weltweit erhalten die Zivilisationen weitere extreme Persönlichkeiten als Spiegel auf dem Weg in eine Welt, in der alle Menschen friedlich zusammenleben. Geborgen im Selbst, das so weit wie möglich heil und gesund wird und ist und diesen Heilungsimpuls im Miteinander mit anderen weiterträgt und auch vererbt.

Ob friedliches Leben auf Erden gelingt, fängt in dieser Sekunde an zu gelingen oder nicht. Da ist kein Gott, der das steuert. „Das Durcheinander ist nur zwischen den Menschen“, sagt ein Kind in Apocaluther.

„Gott macht den Frieden nicht, Gott IST Frieden. Die Menschen müssen sich wieder mit Gott verbunden fühlen und danach handeln. Dann IST Frieden“, sagt Luther in Apocaluther.

Und in diesem Fühlen geht es eben NICHT darum zu urteilen, wer es besser oder schlechter könne. Oder daüber zu streiten, ob es richtig oder falsch wäre. Ob es Gott sei, mit dem man sich da verbunden fühlen soll oder ob es Gott gar nicht gibt. Ob Gott ein Rauschebart-Typ ist oder eine Dreieinigkeit, ein Gott, den man malen darf oder nicht, den man sehen kann oder nicht, der richtiger als der andere wäre oder nicht, der tot sei oder lebendig. All diese ganzen Überlegungen von Theologie, Philosophie, Psychologie und Stammtisch haben bislang nicht dazu geführt, dass Menschen friedlich, heilsam und geborgen auf der Erde leben können. Es hat nur dazu geführt, dass immer noch zu viele Menschen auf Erden denken, jemand Mächtiges „da oben“ wolle es, dass der Mensch im Leid lebt, und es bräuchte Stellvertreter dieses Mächtigen, die das auf der Erde zementieren. Nein. Jeder Mensch hat es ganz allein in der Hand, ob er im Frieden mit anderen lebt oder nicht. Jeder Mensch ist gehalten, selber zu denken – und sich dabei nicht über andere zu stellen. Aber auch nicht darunter. Ja, in totalitäten Systemen ist das schwierig. Luther, könnte man sagen, hatte damals einfach Glück. Aber auch der Zeitgeist half ihm, dass er nicht auf dem Scheiterhaufen landete.

500 Jahre nach der Reformation und 2000 Jahre nach Christus ist es sehr schön zu beobachten, dass heute in allen möglichen Gazetten von „Loslassen“, „Selbstliebe“ und „Achtsamkeit“ die Rede ist – und davon, dass die Menschheit dabei sei, sich auf einem langen Weg aus dem System der Angst in die Freiheit der (bedingunglosen!) Liebe zu entwickeln. Denn dass diese Liebe den Menschen gesund macht, weil sie verlorene Seelenanteile zurück holt – also die Ursachen für Leiden aller Art heilt – ist im kollektiven Bewusstsein der Menschheit verankert. Es ist ein unauslöschlicher Funken, der die Welt erhellt. Denn um zu sehen, was sich im Dunkeln alles versteckt, was da alles ist, das uns das Leben erschwert, dafür braucht man Licht. Dann kann man das Dunkle betrachten, transformieren und loslassen, entlassen in die Liebe.

„Wir sind in diese Welt gestellt, damit sich alles hier erhellt“, singen die Kinder in Apocaluther. Sie sind der emotionale Türöffner für Erwachsene, die ihren Kummer immer gut verschließen hinter Masken. Kinder sehen so lange dahinter, bis sie selbst gelernt haben, eine solche Maske zu tragen. Aber immer weniger Kinder sind bereit, diese Masken aufzusetzen. Sie halten ihren Eltern den Spiegel vor. Auch das meinte Luther, als er sagte: „Siehst du ein Kind, hast du Gott auf frischer Tat ertappt.“

Das mit dem Spiegel war schon immer so. Wo Kinder geschlagen und gedemütigt werden, bekommt dieser Spiegel Sprünge. Wo Kinder nicht mehr geschlagen werden, gibt es zwar immer noch zwischenmenschliche Herausforderungen. Doch der Spiegel bleibt halbwegs intakt. Darum ist es ein großer Schritt für eine Gesellschaft, das Schlagen von Kindern nicht mehr zu dulden. Verbale Misshandlungen zu unterbinden, wäre ein nächster Schritt. Aber das müsste ja erstmal zwischen Erwachsenen funktionieren.

Wie oben geschrieben: Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Kinder so aufwachsen, dass ein inneres Opfersein gar nicht erst entsteht. Ob bzw. in welchem Maße das in dem Alltag gelingt, den wir Menschen zu bewältigen haben (z. B. Schule), weiß niemand. „Aber zu wissen, dass es so ist, ist doch schon mal ein Anfang. Außerdem gibt es auch noch die Engel, Gottes Boten, die können auch was machen“, sagt ein Kind in Apocaluther.

Dieser Text ist sehr lang. Apocaluther ist Extrakt. Was hier steht, ist sozusagen „zwischen den Zeilen“.

Wie sagt Theodor: „Luthers Ideen sind sowieso voll up to date. Manchmal dauert es nur ein bisschen länger, bis alle sie verstanden haben.“

Was ist, wenn der Folterknecht plötzlich merkt, was er da tut und es aus sich heraus nicht mehr kann? Was ist, wenn Mächtige plötzlich spüren, wie klein sie sich innerlich eigentlich fühlen und diese Leere auffüllen mit heilsamer Liebe statt mit Macht und Geld? Was ist, wenn Menschen plötzlich merkten: Tatsächlich, die Apocalypse hat schon längst stattgefunden, Frieden auf Erden ist möglich und allein wir haben es in der Hand, ob das gelingt? Dann wäre die Hütte Gottes bei den Menschen Realität. Ohnehin, sie ist schon da. Völlig egal, wie viele Welt- und Gottesanschauungen es auch geben mag. Diese Hütte gehört allen Menschen. Sie ist die Welt, der Kosmos, das All-Eins. Wer sich darin geborgen weiß, heilt von innen heraus. Nach und nach. Zeitlos. Dann ist der Tod nicht mehr oder Verzweiflung oder Geschrei.

Diese Überlegungen, basierend auf „Der Fremde in uns“ von Arno Gruen, „Die Flucht vor der Nähe“ von Anne Wilson Schaef und der Erkenntnis, dass das Leid der Welt nur auf dem Gefühl der Getrenntheit, dem Herausfallen aus der Geborgenheit, auf Entborgenheit beruht, führten nach und nach zu Apocaluther. Einem Stück für Erwachsene. Und Kinder ab 6 Jahren.

Danke fürs Lesen.

 

 

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