Über Taboe II

Fragen an Nuri El-Ruheibany (Arrangeur der Lieder) und Ulrike Streck-Plath (Idee, Text und Liedauswahl

  • Herr El-Ruheibany, Sie komponieren normalerweise eher für große Ensembles und Orchester. Was hat Sie dazu bewogen, die Lieder für TABOE zu arrangieren? Viele Komponisten haben neben großen sinfonischen Werken auch Stücke für Kinder geschaffen. In den 80er Jahren habe ich 60 arabische Kinderlieder für Orffinstrumentarium arrangiert und in Beirut veröffentlicht. Meine Vorliebe zur Kinder- und Volksmusik stand mir zur Seite, als ich die Arbeit mit TABOE begonnen habe. Ich war glücklich, wieder eine neue Arbeit für Kinder zu schaffen.
  • Jedes Lied in TABOE stammt aus einem anderen Land. Wie sind Sie mit den unterschiedlichen kulturellen Hintergründen umgegangen? Frau Ulrike Streck-Plath hat 14 Lieder aus verschiedenen Ländern ausgesucht. Jedes Lied führte in ein anderes Land und hat seine eigene Farbe und Charakter. Bei jedem Lied habe ich mir die jeweiligen Landschaften und Kinder vorgestellt. Bei der Arbeit habe ich gesungen und manchmal auch getanzt und mich in das Land hineinversetzt. Ich habe Kinder um mich gesehen, deshalb hat mir die Arbeit große Freude bereitet.
  • Was kann Musik Ihrem Volk in der gegenwärtigen Situation geben? Die Lieder des „TABOE“ sind zwar verschieden, aber sie haben eins gemeinsam: Sie singen alle für den Frieden in der Welt. Ein Lied aus dem Iran und ein Lied aus Syrien, daneben ein Lied aus Israel. Das ist eine echte Botschaft für den Frieden. Denn sowie die Kinder die zerstückten Teile vom TABOE finden und zusammenflicken, werden in der Zukunft, so hoffe ich, die verfeindeten Länder zusammenkommen. Die Koreaner haben den Anfang schon gemacht.
  • Frau Streck-Plath, wie kamen Sie auf die Idee für TABOE? Die Geschichte basiert auf einer alten Kinderbuchidee von mir: Ein Bär zerfällt auf seinem Weg durch die Welt voller Gewalt in seine Einzelteile. In TABOE wird diese traurige Geschichte glücklich umgedreht, denn der Bär kommt wieder zusammen. Die Umsetzung fiel mir im Herbst 2017 eines Morgens aus einem bewölkten Himmel direkt vor die Füße, mitten in Hanau. TABOE zeigt, was Gewalt und Krieg mit Menschen machen und dass alles wieder gut werden kann. Das gilt auch für die seelischen Zerstörungen, die man ja nicht unbedingt sieht. TABOE ist eine Metapher für inneres Opfersein, das geheilt werden kann und auch muss, damit Frieden in der Welt möglich wird.
  • Nach welche Gesichtspunkten haben Sie die Lieder ausgesucht? Die Lieder sollten aus den abrahamitischen Kulturkreisen stammen, aber nicht religiös sein, inhaltlich zur Geschichte passen und zeigen, dass das wirklich Wichtige im Leben in allen Ländern gleich ist: Ganz sein – mit sich selbst und anderen. Das israelische „Noumi noumi“ stand als Anfangslied sofort fest. Es fügte sich schließlich alles gut zusammen, von Peru über Nigeria und den Iran bis Kasachstan.
  • Wie kamen Sie darauf, Nuri El-Ruheibany für das Arrangement der Lieder anzufragen? Ich dachte, dass es vielleicht einen syrischen Komponisten gibt, der in Deutschland lebt. Die Internetrecherche ergab zahlreiche Einträge zu Nuri El-Ruheibany. Als erstes sah ich die Aufführung der Carmina Burana 2011 in Damaskus, mit Nuri am Dirigentenpult. Außerdem fand ich Variationen für Cello und Orchester über „Der Mond ist aufgegangen“. Da war klar, dass dieser Komponist der Richtige für TABOE ist.

 

 

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