Geschenk: Neues Herz, neuer Geist. Und weiter?

Leider ist das Leid der Welt nicht so einfach zu verstehen.
Doch wir fragen uns, wie soll das eigentlich noch weitergehen?

 Waffen werden produziert und verkauft und transportiert
und dann werden unverdrossen Menschen damit totgeschossen.

Bomben werden angezündet, Sieg wird hier und da verkündet.
Aug um Auge, Zahn um Zahn, immer fängt es wieder an.

Schiffe fahren auf dem Meer, bringen viele Menschen her.
Kinder sterben in den Fluten, Väter weinen, Mütter bluten.

Angst schleicht um in jedem Land, meistens gegen Unbekannt:
Wie viel Fremde dürfen rein? Wer darf nicht mehr bei uns sein?

Ist es Gott, der das entscheidet, dass der Mensch auf Erden leidet?
Ist Gott des-interessiert an dem, was uns hier passiert?

Hält er sich vielleicht verborgen und macht sich im Himmel Sorgen?
Nein! Ganz einfach, ich und du hören ihm nicht richtig zu.

Denn sonst wär das Leid der Welt ziemlich einfach zu verstehen.
Und es müsste, welche Freude, auch nicht mehr so weitergehen.

Soweit das erste Lied in Apocaluther. Kinder singen das. Harter Tobak, sagten manche Zuschauer. Ziemlich krasser Stoff für Kinderseelen. Ach ja? Und was passiert in der Welt? Was ist denn mit den ganzen Kindern, über die IM Lied gesungen wird? Was ist mit den ganzen Kindern, die jetzt noch klein sind und irgendwann groß sein werden? Was ist mit den ganzen großen Leuten, die vor kurzer Zeit noch klein waren? Wann wird aus einem Kind ein Erwachsener? Kein Mensch kennt den Zeitpunkt. Man behauptet, mit 18 sei man erwachsen. Nun ja. Mag sein. Irgendeine Zäsur muss es ja geben. Und dann? Körperlich ausgewachsen ist der Mnsch mit 23. Geistig … eine endlose Wachstumszeit zieht sich da durchs Leben. Seelisch … da liegt der Hase im Pfeffer. Oder das Kind begraben. In der Tat. Das eigene innere Kind liegt so tief unter Teppichen und Tüchern und Masken und Kummer, Not, Angst begraben, dass es eine große Anstrengung kostet, es da rauszuholen. Viele wollen das nicht. Viele sagen auch: Geht nicht. Klar. Wir können einfach so weitermachen. Oder wir können das Kind behutsam bergen. In uns. Haben wir uns vollständig wieder mit unserem inneren Kind verbunden, sind wir vermutlich wirklich erwachsen. In Balance, das Große und das Kleine.

Die Jahreslosung 2017 lautet:

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Hesekiel 36,26 (E)

Klingt doch vielversprechend. Aber dieses Geschenk hat es in sich. In uns.

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Wir haben die Probleme nicht. Die haben nur andere. Ist das so?

Film, Minute 1:18:30

Luther: Aber die Ordnung, die einzig wahre Ordnung ist die Liebe. Sie bringt alles zurecht.
Maske I: (brüllt) Ruhe! Was Liebe ist, bestimmen wir!
Maske II: Liebe ist Leistung. Wer Leistung bringt, wird geliebt.
Maske III: Liebe ist Ruhe. Wer den Mund hält, wird geliebt.
Maske I: Liebe ist Macht. Wer mächtig ist, wird geliebt.
Luther: Das ist doch …
Maske I: Sie behaupten Gott ist bedingungslose Liebe. Das ist gegen die Ordnung. Zur Liebe gehören IMMER Bedingungen.
Maske II: Sie behaupten, bedingungslose Liebe erfüllt uns vollständig, ohne dass wir dafür besonders sein müssen. Das ist gegen die Ordnung. Jeder Mensch muss für das System ALLES geben.
Maske III: Sie behaupten, Eltern hätten die Aufgabe, ihre Kinder mit dieser Liebe zu beschenken. (laut) Das ist gegen die Ordnung! Sie wollen, dass die Menschen diese Liebe erkennen und leben sollen. Sie behaupten, wir seien alle geliebte Kinder. (lauter) Das ist gegen die Ordnung!
Maske I: Wir sind nicht einfach so geliebt. Wir mussten uns Liebe ER-AR-BEI-TEN.
Maske II: Wir werden geliebt, weil man uns fürchtet.

Die Masken in Apocaluther sind die Vertreter der Mächtigen der Welt aller Zeiten. Wer sich dahinter verbirgt, mag jeder für sich aufzählen. Auf jeden Fall sind alle Mächtigen gemeint, auch die kleinen, unscheinbaren. Die, die unbedingt mächtig sein wollen und müssen, weil sie sich sonst so klein fühlen.

Ist es nicht genau das, was die Systeme ausmacht, die wir gewohnt sind, in Familien, in Schule, Beruf, Wirtschaft, Politik und Kirche?

NEIN! Schallt es durch die Lande. Wir sind anders. Wir sind alle GANZ anders! Wir haben die Probleme nicht. Die haben nur andere. Ist das so?

Ich erinnere mich an viele Gespräche im Rahmen der Kollektiven Performances zum Gedenken an den Todesmarsch vom 24. bis 29. März 1945. Damas wurden ca. 350 Gefangene des KZ Adlerwerke von Frankfurt nach Hünfeld getrieben, ca. 250 Gefangene kamen an. Die anderen liegen zwischen Frankfurt und Hünfeld unter der Erde, viele noch unentdeckt. Die Menschen, die heute an den Performances teilnehmen, sind immer sehr bewegt. Wie konnte das passieren, damals in Deutschland? Warum hat denn niemand etwas dagegen getan? Manche schauen auch weg.

Tausende dieser Märsche zogen damals durch Deutschland. Ein Kapitel deutscher Geschichte, das immer noch nicht – wie sagt man – „aufgearbeitet“ ist.

Damals gab es fast keine Befehlsstrukturen mehr in Deutschland. Die Schergen hätten die Gefangenen einfach laufen lassen können. Doch landauf, landab funktionierte die von oben nach unten delegierte Macht einfach weiter. Primo Levi beschrieb diese Machtstruktur so: „Jenseits jeglicher Fähigkeiten und jeglichen Verdienstes wird die Macht dem verliehen, der bereit ist, der übergeordneten Autoriät Achtung zu erweisen.“ Und da macht man natürlich weiter, auch wenn gar kein Befehl mehr vorliegt. Vielleicht, vielleicht wendet sich ja doch noch das Blatt und dann wird man geehrt, dass man dem Führer so treu gedient hat …

Wer den Mächtigen der Welt dient, muss etwas davon haben. Es braucht einen Ersatz dafür, dass die Macht jemand anderem gegeben wird.

Diese Struktur der Macht funktioniert noch immer. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Wir haben keine Diktatur mehr in Deutschland. Doch Macht, Ohnmacht und Abhängigkeit beschäftigen die Menschen in ihrem Innersten weiter. Dieses System von oben-unten, falsch-richtig, schwarz-weiß und wenig dazwischen ist ja auch viel älter als die Nazi-  oder jede andere Diktatur. Von denen gibt es weltweit noch genug – und wie wir heute augenreibend sehen, kann mitten in Europa diktatorisches Verhalten unter dem Mäntelchen der Demokratie gedeihen.

Macht-Ohnemacht-Abhängigkeits-Strukturen sind allerdings auch in Beziehungen (noch) an der Tagesordnung. Zwischen Eltern und Kindern, zwischen Mann und Frau. Zwischen Lehrer und Schüler, zwischen Chef und Angestelltem. Was wir in diesem Rahmen kennen, ist Lichtjahre von  bedingungsloser Liebe entfernt. Wir sind uns dessen nicht bewusst. Zu normal ist das, was gelebt wird. Zu dieser Normalität gehört auch das Leid. Und da schließt sich der Kreis: In so einem Machtgefüge wird Leid zum unabwendbaren Begleiter. Keiner will es haben. Also wird es weitergeschoben. Bis zu irgendeinem Opfer, das sein Leid nicht mehr weitergeben, sondern nur noch ertragen und dann sterben kann.

Doch bedingungslose Liebe heißt nicht, die Dinge hinzuehmen und zu leiden. Sondern bedingungslos lieben heißt, sich selbst zu lieben wie man ist und den anderen genau so. Jegliche Machspielchen sind in so einer Konstellation sinnlos. Alles noch schwer vorstellbar, dass das weltweit lebbar sein sollte? Für die Kinder und die anderen Personen in Apocaluther nicht.

Und es dreht sich. überall in der Gesellschaft verändern sich diese Machtstrukturen. Männer wollen auf ihr Herz hören und danach handeln. Frauen gehen aus der abhängigen Rolle in die Unabhängigkeit. Kinder finden immer mehr Lehrer auf Augenhöhe. In Unternehmen wächst die Zahl der Menschen, die ebenfalls auf Augenhöhe arbeiten wollen und diese Entwicklung befördern. Denn – blicken wir zurück auf das, was in den vergangenen Jahrhunderten und Jahrtausenden an Leid auf der Welt war: Was soll noch kommen? Ist nicht jetzt Zeit für den turnaround?

Solange sie sprechen, schießen sie nicht.

Werfen wir noch einen Blick auf die Frauen. Was haben die Frauengenerationen in den Jahren 33 bis 45 und danach meistern müssen? Kinder für den Führer bekommen. Die Männer in den Krieg ziehen lassen. Zu Hause den Haushalt, die Kinder versorgen, in die Fabriken gehen. Lügen müssen, denunzieren müssen, inhaftiert werden und Schlimmeres. Fliehen, Angst haben, Kinder verlieren, Männer verlieren, später Steine abklopfen, alles wieder aufbauen und dann in der Schürze zurück an den Herd. Die Aufzählung ist lückenhaft. Doch machen wir uns nichts vor: Das galt und gilt als „normal“. So ist das halt, so war das halt. Schreckliche Zeit. Legen wir was drüber, wir wollen das nicht sehen. Setzen wir eine Maske auf. So schlimm war es nicht.

Nein. Die Tücher gehören gehoben, die Maslen abgesetzt. Du, Mensch, bist ganz persönlich aufgerufen aus deinem Leben das zu machen, was du machen möchtest – und dabei deinen Nächsten genau so zu fördern wie dich selbst. Denn bedingungslose Liebe muss sich niemand erarbeiten. Bedingungslose Liebe ist einfach da. Auch wenn wir Menschen Jahrtausende lang gedacht haben, man könnte sich Liebe erarbeiten.

 

 

 

 

 

 

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„Niemand soll erfahren, wie man lernt zu fühlen und zu wissen, wie es wirklich ist. Das ist die Ordnung.“

Film der Aufführung, Minute 1:18:06

Maske I: Niemand soll wissen, wie es wirklich ist. Das ist die Ordnung.
Maske II: Niemand soll fühlen, wie es wirklich ist. Das ist die Ordnung.
Maske III: Niemand soll erfahren, wie man lernt zu fühlen und zu wissen, wie es wirklich ist. Das ist die Ordnung.

Wie ist es denn wirklich?
Wissen die Masken das?
Weiß Luther das?
Wissen das die Zuschauer, die Kinder, die Erwachsenen?

Das Gefühl, getrennt zu sein, schafft über die Jahre des Lebens den mehr oder weniger in sich verkrümmten Menschen (wie Luther es nennt) bzw. den positiven oder negativen Narzissten (wie die Psychologie es nennt). „„Niemand soll erfahren, wie man lernt zu fühlen und zu wissen, wie es wirklich ist. Das ist die Ordnung.““ weiterlesen

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Rund um Kinder gefragt

Woher stammt die Meinung, Kinder würden Gefühle erst mit der Zeit entwickeln – sie hätten gar keine, wenn sie auf die Welt kommen? Ja, mehr noch: Säuglinge hätten kein Schmerzempfinden?

Was macht es mit einer Gesellschaft, wenn ein Buch, das im Nazideutschland als Lehrmaterial für Säuglings- und Kinderpflege genutzt wurde, noch bis 1984 weiter aufgelegt wird? (Johanna Haarer, Die (deutsche) Mutter und ihr erstes Kind.)

Warum werden Kinder in Schulen noch immer in Ecken gestellt?

Wann ist ein Kind groß?

Was bespricht ein Kind mit seinem Teddybär?

 

 

 

 

 

 

 

 

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Starkult

Luther fragt:

Warum stellt man mich in den Mittelpunkt des Reformationsjubiläums und nicht die Botschaften?

Ich habe den Eindruck, man zehrt heute noch von dem, was ich gesagt habe. Fällt den Leuten nichts ein, das weiterführt?

Sehe ich mir manche Bücher an, die über mich veröffentlicht werden, stelle ich fest, dass wohl mein Privatleben besonders interessant war. Bin ich ein Popstar?

Warum brauchen Menschen eigentlich einen Starkult?

Jeder Mensch, jedes Ding ist der Mittelpunkt des Universums. Was heißt das fürs Zusammenleben auf diesem Planeten?

 

 

 

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„Bedingungslose Liebe ist einfach da – egal was jemand tut oder eben nicht tut.“

Luther, die Rückverbindung zu Gott ist einfach da. Sie haben gesagt: Seit Jesus ist die WIEDER da.
Martin Luther: Ja. Doch rückblickend sage ich heute: Die Verbindung zu Gott ist immer war, war immer da, es kommt darauf an, ob man das möchte, für sich annimmt – es kommt also darauf an, was man glaubt. Jesus weist mehrfach darauf hin.

Dir geschehe nach deinem Glauben. Ja. Heute wissen immer mehr Menschen, dass es sogenannte Glaubenssätze gibt, die im Unterbewusstsein schlummern und die trotzdem wirken.
ML: Wenn jemand denkt, auch im Unterbewusstsein, er oder sie sei so oder so, dann stimmt das. Es ist eigentlich ganz einfach und doch kompliziert. Nein, es ist einfach.

Kann es sein, dass das mit der bedingungslosen Liebe  so schwierig ist zu verstehen, weil wir alle für etwas anderes konditioniert wurden?
ML: Vermutlich. Ja. Was Menschen normalerweise unter Liebe verstehen, basiert auf der bedingten Liebe. Manche Leute lernen dadurch, man müsse alles ertragen, um Liebe zu erhalten. Oder sie meinen, sie könnten sich alles erlauben. Bedingungslosigkeit wird missverstanden. Ich behaupte, dass fast alle Menschen das Gegenteil von bedingungsloser Liebe lernen. Das gesamte Beziehungskonzept zivilisierter Gesellschaften basiert auf abhängiger, bedingter Liebe. Aber das ändert sich …

Moment. Erstmal bedingungslose Liebe an sich. Wie hat man sich das vorzustellen?
ML: Nehmen wir das beliebteste Zeichen für „Liebe“, das Yin-Yang.

Luther, das ist aber nicht sehr christlich … 🙂
ML: Und? Es ist ein ideales Zeichen. Daran ist bedingungslose Liebe gut zu erkennen. Lassen wir die beiden Punkte in den Hälften mal weg. Der Einfachheit halber. Dann sehen wir zwei Hälften, die aneinander sind. Fertig.

Das ist ein Bild für bedingungslose Liebe.
ML: In Apocaluther haben wir Wolken und Wind, Wasser und Ufer. Die sind auch einfach nebeneinander.

Was ist mit der Heilkraft? In Apocaluther sagen Sie, „bedingungslose Liebe bringt in Bewegung und voran, sie bringt alles zurecht“.
ML: Weil der Mensch, der sich dieser bedingungslosen Liebe Gottes bewusst ist, alle seine Defizite, seine schwarzen Löcher und Kisten damit auffüllen kann. Der traurige Erwachsene, der von Kindesbeinen an glaubt, er sei nicht richtig, nicht gut genug, nicht liebenswert genug – und der sein Leben lang darum kämpft, Bedeutsamkeit zu erlangen – der darf erkennen, dass er so, wie er ist, RICHTIG ist. Geliebt. In Apocaluther geht das natürlich sehr schnell, dass die Masken das erkennen, nachdem der Engel den Brief der Eltern und den Brief von Gott vorgelesen hat. Im echten Leben dauert der Heilungsprozess länger, kann „Arbeit mit dem Inneren Kind“ heißen oder „Schattenarbeit“ oder wie auch immer. Auf jeden Fall muss das jeder Mensch selbst für sich tun.

Was ist mit Therapien?
ML: Psychologen sagen, diese tiefen Defizite seien nicht heilbar. Apocaluther sagt: Doch. Allerdings kann einem diese Arbeit niemand abnehmen. Diese innere Heilarbeit ist eine persönliche, spirituelle Angelegenheit. Nicht der Engel oder Gott oder wiedergekehrte Eltern oder Opfer der Masken kommen und nehmen den Masken die Masken ab. Sondern das tun sie selbst, sobald sie verstanden haben, wie es wirklich ist.

Wobei die Zuschauer die freie Wahl haben, wen diese Masken der „Mächtigen der Welt aller Zeiten“ personifizieren, Diktatoren, Menschenverächter, Familientyrannen.
ML: Was tun die Demaskierten dann? Gehen sie zu den Menschen, den Nachfahren der Geknechteten und bitten um Vergebung? Schließen sie mit den Kindern einen Bund, dass es von nun an anders auf der Erde zugehen soll? Wer fängt damit an, es anders zu machen? Apocaluther lässt das offen, weil die Botschaft klar ist: Kein Mensch will geknechtet, in Abhängigkeit, im Unrecht, ungeliebt leben. Gott will auch nicht, dass Menschen so leben. Die MENSCHEN entscheiden jedoch, was geschieht.

Danke für dieses lange Gespräch.

Morgen: Luther stellt Fragen rund um das Reformationsjubiläum.

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„Für Liebe und Anerkennung sind Menschen bereit, alles zu tun.“

Was machen Sie, wenn zu Ihnen jemand „Namaste“ sagt?
Martin Luther: Das Namaste der Hindus heißt „Der Gott in mir grüßt den Gott in dir“. Das ist doch sehr schön und bringt die Verbundenheit mit Gott auf den Punkt! Ich bin okay, du bist okay. Ich bin so, du bist anders, beide sind wir prima. Davon singen die Kinder auch in Apocaluther im Apocalypso – und das schleudern sie auch den Masken der Mächtigen der Welt aller Zeiten entgegen: „Bin ich bescheuert, bist du noch klar, wir sind doch beide ganz wunderbar!“

Wir brauchen mehr Menschen auf der Welt, die ihre Freiheit verantwortlich leben.
ML: Ja, in Balance der Liebe zu sich selbst UND zu anderen. Es geht nicht darum zu behaupten, man selbst habe die Weisheit mit Löffeln gefressen und das Gegenüber sei halt noch nicht so weit. Es geht darum, die Verbindung mit dem Göttlichen in sich selbst UND in anderen Menschen wahrzunehmen.

Statt „Namaste“ kann man auch sagen „Friede sei mit dir“.
ML: Oder „Hoʻoponopono“ … Ja – was, bitte, soll der Mensch auf der Erde tun? Er soll sein Licht leuchten lassen. Nirgendwo steht, er soll andere unterdrücken oder Krieg führen. Warum also gibt es so viel Unterdrückung und Krieg auf der Erde? Weil Gott das will oder schulterzuckend duldet? Nein. Sondern weil zu viele Menschen im Krieg sind mit sich selbst. Weil sie sich zu wenig lieben und darum auch ihren Nächsten nicht genug lieben können. Darum denken zu wenige Menschen darüber nach, welche Konsequenzen ihr Handeln hat. Sie machen lieber jemand anderen dafür verantwortlich.

Sie haben auch Ihr Licht nicht immer leuchten lassen.
ML: Ja, ich konnte das ebenfalls nicht. Und ich habe auch nicht in einer Zeit gelebt, in der das so einfach möglich gewesen wäre wie heute in Europa. Ich bin sehr froh, dass es heute so viel Freiheit in Europa gibt. Mehr Freiheit, als ich mir je habe träumen lassen. Bedingungslose Liebe leben, das wird endlich wirklich möglich, ohne dass jemand wieder draufhaut und verbietet, dass Menschen innere und äußere Freiheit erlangen.

Viele Leute machen sich Sorgen um das „christliche Abendland“. Was sagen Sie dazu?
ML: Sich Sorgen machen UM etwas, hat mit Angst zu tun. Die Menschen täten besser daran, gut FÜR sich selbst und andere zu sorgen. Wir brauchen Liebe auf Erden. Keine Angst. Und wir brauchen mehr Spiritualität.

Dafür sind doch die Kirchen da, oder?
ML: Auf der Skala von 1 bis 10 würde ich sagen – die Spiritualität der evangelischen Kirche in Deutschland liegt bei … nein, ich sag’s nicht.

Viele Menschen treten aus der Kirche aus und sagen, das hätte mit Gott nichts zu tun.
ML: Vermutlich wollen diese Menschen einfach ihre persönliche Gottesbeziehung, ihre Spiritualität leben, ohne Institution, die immer noch so tut, als sei Mensch hier, Gott da. Natürlich schwächt das die Position der Kirchen, also einer organisierten Institution. So wächst dann die Angst davor, eine andere organisierte Religion könnte im Land stärker werden als das Christentum. Aber auch in dieser anderen Religion ist das Bedrohliche die Konsequenz des Getrenntheit-Gefühls. Denn das gibt es dort genau so. Menschen, die sich allein und klein fühlen, wollen sich stark fühlen. Für Liebe und Anerkennung sind Menschen bereit, alles zu tun. Sie sind sogar bereit, dafür zu sterben. Aber das brauchen wir nicht mehr. Alle Menschen sind bedingungslos geliebte Kinder Gottes.

Alle.
ML: Natürlich alle. Und noch mal: Ich wollte keine Kirche oder Konfession gründen. Ich wollte einfach sagen, was ich erkannt habe. Die Zeit war damals reif, genügend Menschen waren mittlerweile in der Lage, etwas weiter über den eigenen Tellerrand zu blicken. Evolution geht ja weiter, auch im Gehirn … aber das nur am Rande … Gott ist NICHT die Kirche! Gott ist religions- und konfessionsunabhängig die Liebe, die einfach DA ist, für die wir NICHTS tun müssen. Das zu erkennen ist eine Frage gelebter Spiritualität. Ein Kind, das auf die Welt kommt, WEISS das noch. Dann wird es „erzogen“ und vergisst das Wissen. Denn es bekommt die Konzepte der jeweiligen Kultur und Familie übergestülpt, in der es aufwächst. Es kann sein Licht NICHT einfach leuchten lassen. Sondern es denkt immer, dass es etwas falsch machen könnte. Es hat Angst. Dann ist es irgendwann erwachsen – und hat immer noch diese Angst. Mit der geht es durchs Leben und denkt, es muss so sein. Es sucht süchtig überall nach Liebe und Anerkennung. Heraus aus dieser inneren Not führt einzig und allein die Erkenntnis, bedingungslos geliebt zu sein. Doch diese innere Not sitzt so tief, dass die Psychologen, die diese Not sehr wohl bereits beschrieben haben, behaupten, sie wäre nicht heilbar.

Das, woran die Menschheit krankt, gilt also als nicht heilbar – und da kommen Sie und behaupten: Doch, mit bedingungslose Liebe?
ML: Dass Psychologen an die tiefen Ängste der Menschen nicht herankommen, zeigt doch nur, wie tief diese Ängste sitzen. Gottes Liebe ist radikal und bringt einen Paradigmenwechsel nach dem anderen mit sich. Das ist das, was gegenwärtig passiert durch diesen ganzen gesellschaftlichen Wandel. Die Subversion der Verhältnisse hat begonnen. Was „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ bedeutet und wie das geht, wird klarer als je zuvor erkennbar. Das Paradies auf Erden ist möglich. Die Menschen haben es in der Hand, ob das gelingt. Das ist die Botschaft von Apocaluther.

Können Sie mal erklären, wie bedingungslose Liebe diese tiefen Ängste, diese Löcher in den Seelen der Menschen heilt?
ML: Ja.

Morgen: „Bedingungslose Liebe ist einfach da. Egal, was jemand tut oder eben nicht tut.“ – über die Heilkraft bedingungsloser Liebe

 

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„Sich ständig der Konsequenzen des eigenen Handelns bewusst zu sein, ist natürlich anstrengend. „

Was halten Sie von dem Sprichwort: Der Mensch denkt, Gott lenkt?
Martin Luther: Das reimt sich ganz hübsch, mehr nicht. Der Mensch handelt verbunden oder nicht verbunden mit Gott. In jedem Fall hat er selbst die Konsequenzen seines Handelns zu tragen. Er kann sie NICHT an eine höhere oder niedrigere Instanz abgeben. Sich ständig der Konsequenzen des eigenen Handelns bewusst zu sein, ist natürlich anstrengend. Das Konzept eines Gottes, der alles lenkt, ist dagegen sehr bequem.

((aus Apocaluther))

Luther: Ich habe mir die Welt von der anderen Seite aus fast 500 Jahre lang angesehen. Viele Kriege fanden statt, einer schlimmer als der andere. Ganze Völker wurden fast vernichtet. Ich will das nicht alles aufzählen, was zu sehen war. All diese Diktatoren, Menschenverachter, Familientyrannen! Doch als wäre  das noch nicht genug gewesen, haben die Menschen weiter Angst vor einer Apocalypse. Die einen fühlen sich hilflos, während die anderen weiter Unheil stiften. Viele denken weiterhin, Jesus Christus würde im Jüngsten Gericht sein Urteil sprechen. (er wird laut) NEIN,WIRD ER NICHT!! Das ist nicht seine Aufgabe! Jesus Christus hat seine Aufgabe bereits erfüllt und den Menschen stünde es gut an, das endlich zu verstehen! (noch lauter und deutlicher) Jesus Christus ist Erlöser und Befreier der Menschen!!

Vater: (unsicher, nachdenklich, erkennend) Sie meinen womöglich, das, was in der Apocalypse steht, hat alles bereits stattgefunden?

Chorkind: Ja, logisch! Was soll denn noch passieren, bevor die Menschen erkennen, dass Gott nie fort war? Dass seine Liebe immer da ist, genug für alle?

((weiter im Interview))

Klingt geläutert, was Sie da sagen.
ML: Ich habe gesehen, was geschehen ist nach meiner Zeit. So vieles habe ich erst mit den Jahren verstanden. Es gibt Kulturen, die stets sieben Generationen zurück und voraus denken. Und dabei im Hier und Jetzt bewusst ihr Leben verbringen. Die denken nicht in Machtzyklen, Legislaturperioden oder daran, wie sie ihr Gefühl des Verlassenseins betäuben können, das nagende Gefühl der Getrenntheit. Dieses große Menschheitsthema produziert all das Leid. Keiner will verlassen sein. Darum gönnt keiner dem anderen Geborgenheit, in was auch immer.

Mit dem Paradies verlor der Mensch seine Geborgenheit. Seither sucht er sie zurück. Das ist so schwer, dass er sie niemandem gönnt, der auch nur ein wenig davon sein Eigen nennt. Er nimmt den anderen dies Wenige mit Krieg, Gewalt, Technokratie. Damit das Leid erhalten bleibt, das er für normal hält. Die Großen nehmen es den Kleinen, die Starken den Schwachen, behaupten dabei seit Jahrtausenden, es wäre zu ihrem Besten. Weil sie es selbst nicht anders kennen. So lebt der Mensch darin und sucht doch mit abgrundtiefer Sehnsucht nach dem, was er in sich ahnt und das Wesentliche nennt: Geborgenheit. Archaisch. Warm, weich. Verletzbar, zerstört. Gehabt, verloren. – So lautet der Text zu meinen Objekten und Bildern, die ich vor allem zu den Themen Holocaust und transgenerationale Weitergabe von Traumata gemacht habe. Ich tu mich da schwer mit Ihnen, Luther. Darum war ich so erstaunt, als ich bei der Recherche für das Stück, das ich zur Apocalypse und bedingungsloser Liebe schreiben wollte, plötzlich merkte, dass Sie die ideale Person sind, um beides zusammenzubringen. Weil sie mit der Apocalypse nicht viel anfangen konnten. Und weil Sie die Rückverbundenheit der Menschen mit Gott erkannten, vor allem die persönliche Mensch-Gott-Beziehung, völlig unabhägnig von Institutionen. Rief ich jedoch bei Zeitungen an, um Apocaluther zu bewerben, hieß es mehr als einmal: Luther? Der war gegen die Juden. Über den schreibt man nicht. Was sagen Sie dazu?
ML: Meine Hetzschriften sind ein heikles Thema.

Aber Sie wissen auch, dass eine große Menge an Erklärung, warum es den Antisemitismus gibt, in dem steckt, was ich da eben aus meinem Text zu meiner Kunst zitiert habe.
ML: Ja. Und ich weiß auch, dass meine Juden-Hetz-Schriften mit dem, was ich über die bedingungslose Liebe gesagt habe, nicht zusammenpassen. Soll ich mich rausreden mit dem Hinweis „ich war ein Kind meiner Zeit“?

Das habe ich den Zeitungsredaktionen gegenüber getan. Interessant war, dass kritische Redakteure einlenkten, sobald ich das Reizwortpaar „Apocalypse und Luther“ fallen ließ. Apocalypse und Luther, das fanden sie sofort interessant. Der Inhalt des Stücks war erstmal egal.
ML: Vielleicht erklären Sie mir, wie Sie das sehen mit mir und meinen Hetzschriften?

Nein. Das tun bitte Sie selbst. Auf Basis der Erkenntnis, dass das Leid der Menschheit auf dem Gefühl der Getrenntheit von Gott – oder wie immer man diese Macht auch nennen will – basiert. Und dass der Mensch in Wirklichkeit ungetrennt ist von Gott. Er kann sich ihm verbunden wissen. Immer.
ML: Das jüdische Volk ist das von Gott auserwählte Volk. Es hat die ewige Zusage tiefster Geborgenheit, die über Jahrtausende getragen hat und weiter trägt. Das neiden andere Menschen diesem Volk. Das neiden Menschen, die sich von Gott getrennt und darum bis in den tiefsten Herzensgrund verlassen fühlen. Dieses Gefühl der Getrenntheit ist in ihrem Unterbewusstsein verborgen. Es ist das, was ich das Gekrümmte nenne. Dieses Gefühl ist unantastbar. Das soll niemand kennen, niemand erkennen. Darum tragen diese Menschen Masken. Manche mehr, manche weniger. In Apocaluther sage ich: „Je mehr Liebe ihnen fehlt, wenn sie klein sind, desto grausamer ODER desto duldsamer werden sie, wenn sie älter werden. Eure Psychologen haben das schon erkannt. Das zu heilen, wenn die Menschen groß sind, ist fast unmöglich.“ Ich war und bin auch in mir gekrümmt. Dieses Gefühl bringt nicht zwangsläufig Antisemitismus hervor. Aber es bereitet den Boden, auf dem Hass aller Art gedeiht.

Die Menschen sind jedoch alle mit Gott verbunden – wenn sie dies wollen. Gott ist bedingungslose Liebe. Alle Menschen sind bedingungslos geliebte Kinder Gottes. Das sind zwei Ihrer neuen Thesen aus Apocaluther.
ML: Und mein Schlusswort in dem Stück lautet: „DAS da, dieses absolute, radikale Getragensein ist immer und ewig einfach da.“ Darum muss niemand anderen Menschen ihre Geborgenheit neiden. Denn sie steht allen zur Verfügung. In dieser Gewissheit zu leben bedeutet, dass die Hütte Gottes bei den Menschen Realität ist. Bedingungslose Liebe und die Balance des „ich liebe meinen Nächsten wie mich selbst“ machen Unfrieden, Hass, Neid unmöglich.

((aus Apocaluther))

Theodizee: (nimmt eine Bibel aus dem Regal, schlägt sie auf, liest feierlich aus der Offenbarung vor) Aus dem letzten Kapitel der Apocalypse: „Siehe da, die  Hütte Gottes bei den Menschen! und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Stuhl saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!“

((weiter im Interview))

„Gott macht den Frieden nicht. Gott IST Frieden. Die MENSCHEN müssen sich wieder mit Gott verbunden wissen und fühlen und danach handeln. Dann IST Frieden!“ Das habe ich Ihnen in Apocaluther in den Mund geschrieben.
ML: Und dann erzähle ich, dass ich beim Blick auf die Erde erst gedacht habe, es gäbe auf der Welt eigentlich keine Grenzen. Und dass ich dann gesehen habe, dass es doch welche gibt. Grenzen zwischen Land und Wasser. Zwischen Wolken und Luft. Zwischen Fluss und Ufer. Diese Grenzen sind ganz klar. Darum sind Wasser und Ufer auch einfach nebeneinander. Ein Chorkind sagt dann, dass das so ist, wie es eigentlich mit Gott und den Menschen sein sollte.

Da fehlt aber noch etwas. Nämlich, dass es so auch zwischen den Menschen sein sollte. Jeder begegnet dem anderen friedlich, nah, klar und bedingungslos liebend. So ist das gemeint. Unfrieden funktioniert so nicht mehr.
ML: Bis dahin ist aber noch ein weiter Weg.

Der Weg wird mit jedem Schritt kürzer, den man ihn geht. Und die Verbundenheit mit Gott, mit dem All-Eins zu leben, dazu braucht es mehr Bewusstsein fürs Dahinter der Dinge, mehr Spiritualität. Die wiederum ist eine ganz persönliche Angelegenheit, die lässt sich nicht institutionalisieren.
ML: Ja. Etwas glauben, das ist etwas, was die Leute tun oder nicht tun können. Spiritualität ist etwas, das man selbst erlebt.

Ein Chorkind sagt in Apocaluther: „Außerdem gibt es noch die Engel, Gottes Boten. Die können auch was machen!“
ML: Dass Erwachsene ihren Engel wieder bewusst wahrnehmen, der sie begleitet. Das wäre eine schöne spirituelle Erfahrung für diese Menschen.

Danke für heute. Ich setze jetzt hier noch das Lied hinein, das die Kinder an dieser Stelle in Apocaluther singen.

Ich bin vielleicht noch klein
doch bald schon bin ich groß
dann sitzen meine Kinder
bei mir auf meinem Schoß.

Was ich heut von euch lerne,
das ist dann in mir drin.
Darum ist gut, wenn klar ist,
wie liebenswert ich bin.

Du bist vielleicht schon groß,
doch warst du auch mal klein
und hast bestimmt mal Angst gehabt
und fühltest dich allein.

Da kam ein großer Engel,
hielt dich in seinem Arm.
Bis es dir wieder besser ging,
hielt er dich lieb und warm.

Der Engel ist noch immer
bei dir, bei Tag und Nacht.
Er singt dir von der Liebe vor,
die alles heile macht.

Morgen: „Für Liebe und Anerkennung sind Menschen bereit, alles zu tun.“ – und ein Blick auf die Angst im „christlichen Abendland“.

 

 

 

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„Den Begriff gottgewollt muss ich mir dringend abgewöhnen.“

Zum Reformationsjubiläum gibt es Kerzen mit Ihrem Bild. Was halten Sie davon?
Martin Luther: Devotionalien. Heiligenkult. Man hat mich zum Helden gemacht. Zu einem „deutschen Helden“. Das sagt viel mehr über die Menschen aus, die das tun, als über mich. Ich war und bin weder Held noch Heiliger. Meine Person scheint wichtiger zu sein als meine Botschaft. Schade, dass das hierzulande immer noch so ist.

Warum steht eigentlich Ihre Person so sehr im Mittelpunkt der Feierlichkeiten – und nicht Ihre Botschaft?
ML: Vermutlich, weil die lutherische Kirche keinen Papst hat. Menschen sind so. Noch. Sie brauchen „einen großen Mann“ oder „eine große Frau“. Zum Anhimmeln. Im wahrsten Sinne. Weil der Himmel ja anscheinend leer ist. Die Menschen empfinden Gott (noch) als getrennt von ihnen. Wenn sich das erstmal geändert hat, brauchen die Menschen keine „übergroßen Führungsgestalten“ mehr.

Wer ist dann auf den Kerzen?
ML: Vielleicht Sterne. Wolken. Himmel. Ein Herz.

Warum haben wir gestern eigentlich nur eine Frage gepostet?
ML: Weil wir freie Gotteskinder sind.

Kann ich heute noch ein paar Fragen stellen?
ML: Ja.

Die Kirche hat viel Leid über die Menschheit gebracht. Was sagen Sie heute dazu?
ML: Ja, das hat sie. Andere zu etwas zu zwingen, ist nicht gottgewollt und hat nichts mit Liebe zu tun. Wobei … den Begriff gottgewollt muss ich mir dringend abgewöhnen … Denn MENSCHEN machen das, was geschieht. Sie können ihre Verantwortung nicht delegieren.

Als die Bauern sich damals wehren wollten, haben Sie gesagt, die Landsknechte sollen hauen und stechen. Was sagen Sie rückblickend dazu?
Martin Luther: Rückblickend gesehen war es nicht kompatibel mit meinen Erkenntnissen. Doch was geschehen ist, kann niemand verändern. Jeder kann nur an dem etwas verändern, was heute und damit in Zukunft passiert. Das sagt auch der Engel in Apocaluther. Wo heute noch Macht und Ohnmacht aufeinander treffen, könnten die Mächtigen etwas von ihrer Macht an die Ohnmächtigen abgeben. Die andere Seite könnte diesen Teil annehmen. So übernähmen beide eine gewisse Menge an Verantwortung. Es entstünde Balance.

Eine Leserin hat gefragt, ob der Inhalt dieses Blogs aus Ihren Schriften stammt oder „ausgedacht“ ist. Was sagen Sie dazu?
ML: (lacht) Die Leute sollen ihren Kopf und ihr Herz einschalten! Vor allem ihr Herz. Wussten Sie, dass vom Herz aus viel mehr Nervenimpulse ans Gehirn gehen als umgekehrt? Find ich interessant. Aber um die Frage zu beantworten: Apocaluther und apocaluther.de basieren auf meinen Schriften. Ja.

Was ist für Sie der schönste Moment in Apocaluther?
ML: Hm … also, das Anklopfen ans Fenster, das hat schon was … oder wenn die Kinder alle reinkommen … nein, diese Szene, wo ich mit dem Engelsbettzeug zugedeckt werde … halt, nein … als die Kinder vors Hohe Tribunal gerannt kommen und Maske I zwar rumbrüllt „Raus mit den Kindern“, sich aber dann doch ein kleines, ganz natürliches Lächeln nicht verkneifen kann. Da sieht man bereits den Menschen hinter der Maske. Das gefällt mir.

„Kinder sehen sowieso immer, was mit den großen Leuten los ist“, sagt ein Kind.
ML: Viele Kinder können in die Menschen hineinsehen. Das ist eine Herausforderung für ein Kind. Die großen Leute könnten langsam mal anfangen zu begreifen, dass das Verhalten der Kinder sehr viel mehr mit ihnen – den Großen – zu tun hat. Und nicht mit den Kindern. Ein Kind ist nämlich noch nicht so sehr ein in sich verdrehter Mensch, ein homo incurvatus in se, wie ein Erwachsener. Dazu steht was im Artikel vom 2. Oktober.

Morgen: „Sich ständig der Konsequenzen des eigenen Handelns bewusst zu sein, ist natürlich anstrengend. “ – und Luther wird nach seinen Hetz-Schriften gegen die Juden gefragt.

 

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