Die ganzen Erinnerungen …

Crying Man

Finkhofwolle, Haselzweig
70 x 90 cm, 2011

Gelnhausen war 1933-45 eine der braunsten Städte Deutschlands, stolz darauf, als erste „judenfrei“ zu sein. In der Marienkirche Gelnhausen hatte ich von Dezember bis März 2011 eine Ausstellung.

Am hellichten Vormittag, ich war dabei, die Werke aufzuhängen, kam ein Herr in die Kirche. Er sah sich überrascht um. Dann lief er in der Kirche umher und kam schließlich zu mir. „Sind Sie das, die diese Bilder gemacht hat?“, fragte er. Da ich auch aggressive Reaktionen auf die Werke kenne, machte ich mich auf etwas gefasst.

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Ausgelöschte Augen wie trübe

Echolot 164
– zum gleichnamigen Buch von W. Kempowski – 2011

50 x 180 cm, Finkhofwolle, Haselzweig

Im Echolot von Walter Kempowski hatte ich auf Seite 164 die Beschreibung eines Todesmarsches gelesen und dann diese Figur gefilzt.

„Wir weinen nicht, wir fluchen nicht, wir trauern nicht. Unsere Gesichter sind schwer zu erkennen in der aschfahlen Haut. Zwischen den spitz hervorstehenden Knochen unserer Wangen liegen die ausgelöschten Augen wie trübe, schlammgefüllte Löcher. Die letzten Tage, die hinter uns liegen, lassen uns nicht mehr daran glauben, daß wir noch leben.“ „Ausgelöschte Augen wie trübe“ weiterlesen

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Auf einem weiten Feld

Kleines Totenfeld

zu Hesekiel 37, 1-10
2012
200 x 100 cm, Finkhofwolle, Maiswurzeln

Jedes Jahr wird hier in Maintal in der Osternacht der Hesekiel-Text vom Totenfeld gelesen. Jedes Jahr hatte ich dieses Bild genau vor Augen. Im April 2012, wenige Tage nach der ersten Kollektiven Performance zum Gedenken an den Todesmarsch, der im März 1945 von den Frankfurter Adlerwerken nach Hünfeld führte, sah ich auf einem umgepflügten Acker diese wie Gebeine aussehenden Maiswurzeln und schnitt sie zurecht. Sie liegen auf einem dicken, dunkelbraunen Filz. „Auf einem weiten Feld“ weiterlesen

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Die Tür, aus der ein kalter Wind weht

Tür in Arles

Finkhofwolle, Brennesselgarn, Eisen
2012, 220 x 120 cm

In Arles/Frankreich befinden sich in einem Hof in der Rue Balze, hinter dem Rathaus, drei dunkle, eisenbeschlagene Türen. Ein Schild gibt Auskunft darüber, dass hinter diesen Türen jüdische Familien gefangen gehalten wurden. Von hier aus erfolgte ihre Deportation in die Vernichtungslager. „Die Tür, aus der ein kalter Wind weht“ weiterlesen

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Geben, geben, sterben

taken, not given
– gefunden in Swetlana Alexijewitsch, „Die letzten Zeugen“, Seite 113 –

Finkhofwolle, Haselzweig, Brennesselgarn
April 2009, 90 x 120 cm

In Minsk war ein Kinderheim gegenüber dem Medizinischen Institut.
In diesem Institut befand sich Ende der 1940er Jahre ein deutsches Lazarett. „Geben, geben, sterben“ weiterlesen

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Lumpenkind

Lumpenkind

– nach Auschwitz transportierte Frauen ließen ihre Säuglinge
in den Kleiderkammern zurück, hoffend, man würde die Kinder
am Leben lassen –

Finkhofwolle, gefilzt am 24. und 26. April 2009
ca. 40 x 70 cm

 

Eine rohweiße Filzpuppe, zarte Finger und Zehen. In einer groben Decke.

Die Hoffnung der Mütter, man würde die Säuglinge am Leben lassen, erfüllte sich nicht. Die Babies wurden meist noch lebendig in die Verbrennungsöfen geworfen. „Lumpenkind“ weiterlesen

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Selektion. Frauen und Kinder an der Rampe in Auschwitz.

Selektion
– Triptychon nach einem Bild aus Auschwitz –

270 x 130 cm
Finkhofwolle, Haselzweig
Gefilzt vom 30. Dezember 2008 bis 2. Januar 2009

An der Rampe von Auschwitz war es verboten zu fotografieren.
Aber es gibt Fotos.

Als ich begonnen hatte, Mütter mit Kindern im Arm darzustellen, archaisch gefilzt aus dunkler und weißer Wolle, sah ich eines Tages das bekannte Foto wieder, das Frauen mit Kindern an der Hand und auf dem Arm zeigt, an der Rampe in Auschwitz. Menschen ohne Namen. „Selektion. Frauen und Kinder an der Rampe in Auschwitz.“ weiterlesen

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