Rund um Kinder gefragt

Woher stammt die Meinung, Kinder würden Gefühle erst mit der Zeit entwickeln – sie hätten gar keine, wenn sie auf die Welt kommen? Ja, mehr noch: Säuglinge hätten kein Schmerzempfinden?

Was macht es mit einer Gesellschaft, wenn ein Buch, das im Nazideutschland als Lehrmaterial für Säuglings- und Kinderpflege genutzt wurde, noch bis 1984 weiter aufgelegt wird? (Johanna Haarer, Die (deutsche) Mutter und ihr erstes Kind.)

Warum werden Kinder in Schulen noch immer in Ecken gestellt?

Wann ist ein Kind groß?

Was bespricht ein Kind mit seinem Teddybär?

 

 

 

 

 

 

 

 

Starkult

Luther fragt:

Warum stellt man mich in den Mittelpunkt des Reformationsjubiläums und nicht die Botschaften?

Ich habe den Eindruck, man zehrt heute noch von dem, was ich gesagt habe. Fällt den Leuten nichts ein, das weiterführt?

Sehe ich mir manche Bücher an, die über mich veröffentlicht werden, stelle ich fest, dass wohl mein Privatleben besonders interessant war. Bin ich ein Popstar?

Warum brauchen Menschen eigentlich einen Starkult?

Jeder Mensch, jedes Ding ist der Mittelpunkt des Universums. Was heißt das fürs Zusammenleben auf diesem Planeten?

 

 

 

„Bedingungslose Liebe ist einfach da – egal was jemand tut oder eben nicht tut.“

Luther, die Rückverbindung zu Gott ist einfach da. Sie haben gesagt: Seit Jesus ist die WIEDER da.
Martin Luther: Ja. Doch rückblickend sage ich heute: Die Verbindung zu Gott ist immer war, war immer da, es kommt darauf an, ob man das möchte, für sich annimmt – es kommt also darauf an, was man glaubt. Jesus weist mehrfach darauf hin.

Dir geschehe nach deinem Glauben. Ja. Heute wissen immer mehr Menschen, dass es sogenannte Glaubenssätze gibt, die im Unterbewusstsein schlummern und die trotzdem wirken.
ML: Wenn jemand denkt, auch im Unterbewusstsein, er oder sie sei so oder so, dann stimmt das. Es ist eigentlich ganz einfach und doch kompliziert. Nein, es ist einfach.

Kann es sein, dass das mit der bedingungslosen Liebe  so schwierig ist zu verstehen, weil wir alle für etwas anderes konditioniert wurden?
ML: Vermutlich. Ja. Was Menschen normalerweise unter Liebe verstehen, basiert auf der bedingten Liebe. Manche Leute lernen dadurch, man müsse alles ertragen, um Liebe zu erhalten. Oder sie meinen, sie könnten sich alles erlauben. Bedingungslosigkeit wird missverstanden. Ich behaupte, dass fast alle Menschen das Gegenteil von bedingungsloser Liebe lernen. Das gesamte Beziehungskonzept zivilisierter Gesellschaften basiert auf abhängiger, bedingter Liebe. Aber das ändert sich …

Moment. Erstmal bedingungslose Liebe an sich. Wie hat man sich das vorzustellen?
ML: Nehmen wir das beliebteste Zeichen für „Liebe“, das Yin-Yang.

Luther, das ist aber nicht sehr christlich … 🙂
ML: Und? Es ist ein ideales Zeichen. Daran ist bedingungslose Liebe gut zu erkennen. Lassen wir die beiden Punkte in den Hälften mal weg. Der Einfachheit halber. Dann sehen wir zwei Hälften, die aneinander sind. Fertig.

Das ist ein Bild für bedingungslose Liebe.
ML: In Apocaluther haben wir Wolken und Wind, Wasser und Ufer. Die sind auch einfach nebeneinander.

Was ist mit der Heilkraft? In Apocaluther sagen Sie, „bedingungslose Liebe bringt in Bewegung und voran, sie bringt alles zurecht“.
ML: Weil der Mensch, der sich dieser bedingungslosen Liebe Gottes bewusst ist, alle seine Defizite, seine schwarzen Löcher und Kisten damit auffüllen kann. Der traurige Erwachsene, der von Kindesbeinen an glaubt, er sei nicht richtig, nicht gut genug, nicht liebenswert genug – und der sein Leben lang darum kämpft, Bedeutsamkeit zu erlangen – der darf erkennen, dass er so, wie er ist, RICHTIG ist. Geliebt. In Apocaluther geht das natürlich sehr schnell, dass die Masken das erkennen, nachdem der Engel den Brief der Eltern und den Brief von Gott vorgelesen hat. Im echten Leben dauert der Heilungsprozess länger, kann „Arbeit mit dem Inneren Kind“ heißen oder „Schattenarbeit“ oder wie auch immer. Auf jeden Fall muss das jeder Mensch selbst für sich tun.

Was ist mit Therapien?
ML: Psychologen sagen, diese tiefen Defizite seien nicht heilbar. Apocaluther sagt: Doch. Allerdings kann einem diese Arbeit niemand abnehmen. Diese innere Heilarbeit ist eine persönliche, spirituelle Angelegenheit. Nicht der Engel oder Gott oder wiedergekehrte Eltern oder Opfer der Masken kommen und nehmen den Masken die Masken ab. Sondern das tun sie selbst, sobald sie verstanden haben, wie es wirklich ist.

Wobei die Zuschauer die freie Wahl haben, wen diese Masken der „Mächtigen der Welt aller Zeiten“ personifizieren, Diktatoren, Menschenverächter, Familientyrannen.
ML: Was tun die Demaskierten dann? Gehen sie zu den Menschen, den Nachfahren der Geknechteten und bitten um Vergebung? Schließen sie mit den Kindern einen Bund, dass es von nun an anders auf der Erde zugehen soll? Wer fängt damit an, es anders zu machen? Apocaluther lässt das offen, weil die Botschaft klar ist: Kein Mensch will geknechtet, in Abhängigkeit, im Unrecht, ungeliebt leben. Gott will auch nicht, dass Menschen so leben. Die MENSCHEN entscheiden jedoch, was geschieht.

Danke für dieses lange Gespräch.

Morgen: Luther stellt Fragen rund um das Reformationsjubiläum.

„Für Liebe und Anerkennung sind Menschen bereit, alles zu tun.“

Was machen Sie, wenn zu Ihnen jemand „Namaste“ sagt?
Martin Luther: Das Namaste der Hindus heißt „Der Gott in mir grüßt den Gott in dir“. Das ist doch sehr schön und bringt die Verbundenheit mit Gott auf den Punkt! Ich bin okay, du bist okay. Ich bin so, du bist anders, beide sind wir prima. Davon singen die Kinder auch in Apocaluther im Apocalypso – und das schleudern sie auch den Masken der Mächtigen der Welt aller Zeiten entgegen: „Bin ich bescheuert, bist du noch klar, wir sind doch beide ganz wunderbar!“

Wir brauchen mehr Menschen auf der Welt, die ihre Freiheit verantwortlich leben.
ML: Ja, in Balance der Liebe zu sich selbst UND zu anderen. Es geht nicht darum zu behaupten, man selbst habe die Weisheit mit Löffeln gefressen und das Gegenüber sei halt noch nicht so weit. Es geht darum, die Verbindung mit dem Göttlichen in sich selbst UND in anderen Menschen wahrzunehmen.

Statt „Namaste“ kann man auch sagen „Friede sei mit dir“.
ML: Oder „Hoʻoponopono“ … Ja – was, bitte, soll der Mensch auf der Erde tun? Er soll sein Licht leuchten lassen. Nirgendwo steht, er soll andere unterdrücken oder Krieg führen. Warum also gibt es so viel Unterdrückung und Krieg auf der Erde? Weil Gott das will oder schulterzuckend duldet? Nein. Sondern weil zu viele Menschen im Krieg sind mit sich selbst. Weil sie sich zu wenig lieben und darum auch ihren Nächsten nicht genug lieben können. Darum denken zu wenige Menschen darüber nach, welche Konsequenzen ihr Handeln hat. Sie machen lieber jemand anderen dafür verantwortlich.

Sie haben auch Ihr Licht nicht immer leuchten lassen.
ML: Ja, ich konnte das ebenfalls nicht. Und ich habe auch nicht in einer Zeit gelebt, in der das so einfach möglich gewesen wäre wie heute in Europa. Ich bin sehr froh, dass es heute so viel Freiheit in Europa gibt. Mehr Freiheit, als ich mir je habe träumen lassen. Bedingungslose Liebe leben, das wird endlich wirklich möglich, ohne dass jemand wieder draufhaut und verbietet, dass Menschen innere und äußere Freiheit erlangen.

Viele Leute machen sich Sorgen um das „christliche Abendland“. Was sagen Sie dazu?
ML: Sich Sorgen machen UM etwas, hat mit Angst zu tun. Die Menschen täten besser daran, gut FÜR sich selbst und andere zu sorgen. Wir brauchen Liebe auf Erden. Keine Angst. Und wir brauchen mehr Spiritualität.

Dafür sind doch die Kirchen da, oder?
ML: Auf der Skala von 1 bis 10 würde ich sagen – die Spiritualität der evangelischen Kirche in Deutschland liegt bei … nein, ich sag’s nicht.

Viele Menschen treten aus der Kirche aus und sagen, das hätte mit Gott nichts zu tun.
ML: Vermutlich wollen diese Menschen einfach ihre persönliche Gottesbeziehung, ihre Spiritualität leben, ohne Institution, die immer noch so tut, als sei Mensch hier, Gott da. Natürlich schwächt das die Position der Kirchen, also einer organisierten Institution. So wächst dann die Angst davor, eine andere organisierte Religion könnte im Land stärker werden als das Christentum. Aber auch in dieser anderen Religion ist das Bedrohliche die Konsequenz des Getrenntheit-Gefühls. Denn das gibt es dort genau so. Menschen, die sich allein und klein fühlen, wollen sich stark fühlen. Für Liebe und Anerkennung sind Menschen bereit, alles zu tun. Sie sind sogar bereit, dafür zu sterben. Aber das brauchen wir nicht mehr. Alle Menschen sind bedingungslos geliebte Kinder Gottes.

Alle.
ML: Natürlich alle. Und noch mal: Ich wollte keine Kirche oder Konfession gründen. Ich wollte einfach sagen, was ich erkannt habe. Die Zeit war damals reif, genügend Menschen waren mittlerweile in der Lage, etwas weiter über den eigenen Tellerrand zu blicken. Evolution geht ja weiter, auch im Gehirn … aber das nur am Rande … Gott ist NICHT die Kirche! Gott ist religions- und konfessionsunabhängig die Liebe, die einfach DA ist, für die wir NICHTS tun müssen. Das zu erkennen ist eine Frage gelebter Spiritualität. Ein Kind, das auf die Welt kommt, WEISS das noch. Dann wird es „erzogen“ und vergisst das Wissen. Denn es bekommt die Konzepte der jeweiligen Kultur und Familie übergestülpt, in der es aufwächst. Es kann sein Licht NICHT einfach leuchten lassen. Sondern es denkt immer, dass es etwas falsch machen könnte. Es hat Angst. Dann ist es irgendwann erwachsen – und hat immer noch diese Angst. Mit der geht es durchs Leben und denkt, es muss so sein. Es sucht süchtig überall nach Liebe und Anerkennung. Heraus aus dieser inneren Not führt einzig und allein die Erkenntnis, bedingungslos geliebt zu sein. Doch diese innere Not sitzt so tief, dass die Psychologen, die diese Not sehr wohl bereits beschrieben haben, behaupten, sie wäre nicht heilbar.

Das, woran die Menschheit krankt, gilt also als nicht heilbar – und da kommen Sie und behaupten: Doch, mit bedingungslose Liebe?
ML: Dass Psychologen an die tiefen Ängste der Menschen nicht herankommen, zeigt doch nur, wie tief diese Ängste sitzen. Gottes Liebe ist radikal und bringt einen Paradigmenwechsel nach dem anderen mit sich. Das ist das, was gegenwärtig passiert durch diesen ganzen gesellschaftlichen Wandel. Die Subversion der Verhältnisse hat begonnen. Was „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ bedeutet und wie das geht, wird klarer als je zuvor erkennbar. Das Paradies auf Erden ist möglich. Die Menschen haben es in der Hand, ob das gelingt. Das ist die Botschaft von Apocaluther.

Können Sie mal erklären, wie bedingungslose Liebe diese tiefen Ängste, diese Löcher in den Seelen der Menschen heilt?
ML: Ja.

Morgen: „Bedingungslose Liebe ist einfach da. Egal, was jemand tut oder eben nicht tut.“ – über die Heilkraft bedingungsloser Liebe

 

„Sich ständig der Konsequenzen des eigenen Handelns bewusst zu sein, ist natürlich anstrengend. „

Was halten Sie von dem Sprichwort: Der Mensch denkt, Gott lenkt?
Martin Luther: Das reimt sich ganz hübsch, mehr nicht. Der Mensch handelt verbunden oder nicht verbunden mit Gott. In jedem Fall hat er selbst die Konsequenzen seines Handelns zu tragen. Er kann sie NICHT an eine höhere oder niedrigere Instanz abgeben. Sich ständig der Konsequenzen des eigenen Handelns bewusst zu sein, ist natürlich anstrengend. Das Konzept eines Gottes, der alles lenkt, ist dagegen sehr bequem.

((aus Apocaluther))

Luther: Ich habe mir die Welt von der anderen Seite aus fast 500 Jahre lang angesehen. Viele Kriege fanden statt, einer schlimmer als der andere. Ganze Völker wurden fast vernichtet. Ich will das nicht alles aufzählen, was zu sehen war. All diese Diktatoren, Menschenverachter, Familientyrannen! Doch als wäre  das noch nicht genug gewesen, haben die Menschen weiter Angst vor einer Apocalypse. Die einen fühlen sich hilflos, während die anderen weiter Unheil stiften. Viele denken weiterhin, Jesus Christus würde im Jüngsten Gericht sein Urteil sprechen. (er wird laut) NEIN,WIRD ER NICHT!! Das ist nicht seine Aufgabe! Jesus Christus hat seine Aufgabe bereits erfüllt und den Menschen stünde es gut an, das endlich zu verstehen! (noch lauter und deutlicher) Jesus Christus ist Erlöser und Befreier der Menschen!!

Vater: (unsicher, nachdenklich, erkennend) Sie meinen womöglich, das, was in der Apocalypse steht, hat alles bereits stattgefunden?

Chorkind: Ja, logisch! Was soll denn noch passieren, bevor die Menschen erkennen, dass Gott nie fort war? Dass seine Liebe immer da ist, genug für alle?

((weiter im Interview))

Klingt geläutert, was Sie da sagen.
ML: Ich habe gesehen, was geschehen ist nach meiner Zeit. So vieles habe ich erst mit den Jahren verstanden. Es gibt Kulturen, die stets sieben Generationen zurück und voraus denken. Und dabei im Hier und Jetzt bewusst ihr Leben verbringen. Die denken nicht in Machtzyklen, Legislaturperioden oder daran, wie sie ihr Gefühl des Verlassenseins betäuben können, das nagende Gefühl der Getrenntheit. Dieses große Menschheitsthema produziert all das Leid. Keiner will verlassen sein. Darum gönnt keiner dem anderen Geborgenheit, in was auch immer.

Mit dem Paradies verlor der Mensch seine Geborgenheit. Seither sucht er sie zurück. Das ist so schwer, dass er sie niemandem gönnt, der auch nur ein wenig davon sein Eigen nennt. Er nimmt den anderen dies Wenige mit Krieg, Gewalt, Technokratie. Damit das Leid erhalten bleibt, das er für normal hält. Die Großen nehmen es den Kleinen, die Starken den Schwachen, behaupten dabei seit Jahrtausenden, es wäre zu ihrem Besten. Weil sie es selbst nicht anders kennen. So lebt der Mensch darin und sucht doch mit abgrundtiefer Sehnsucht nach dem, was er in sich ahnt und das Wesentliche nennt: Geborgenheit. Archaisch. Warm, weich. Verletzbar, zerstört. Gehabt, verloren. – So lautet der Text zu meinen Objekten und Bildern, die ich vor allem zu den Themen Holocaust und transgenerationale Weitergabe von Traumata gemacht habe. Ich tu mich da schwer mit Ihnen, Luther. Darum war ich so erstaunt, als ich bei der Recherche für das Stück, das ich zur Apocalypse und bedingungsloser Liebe schreiben wollte, plötzlich merkte, dass Sie die ideale Person sind, um beides zusammenzubringen. Weil sie mit der Apocalypse nicht viel anfangen konnten. Und weil Sie die Rückverbundenheit der Menschen mit Gott erkannten, vor allem die persönliche Mensch-Gott-Beziehung, völlig unabhägnig von Institutionen. Rief ich jedoch bei Zeitungen an, um Apocaluther zu bewerben, hieß es mehr als einmal: Luther? Der war gegen die Juden. Über den schreibt man nicht. Was sagen Sie dazu?
ML: Meine Hetzschriften sind ein heikles Thema.

Aber Sie wissen auch, dass eine große Menge an Erklärung, warum es den Antisemitismus gibt, in dem steckt, was ich da eben aus meinem Text zu meiner Kunst zitiert habe.
ML: Ja. Und ich weiß auch, dass meine Juden-Hetz-Schriften mit dem, was ich über die bedingungslose Liebe gesagt habe, nicht zusammenpassen. Soll ich mich rausreden mit dem Hinweis „ich war ein Kind meiner Zeit“?

Das habe ich den Zeitungsredaktionen gegenüber getan. Interessant war, dass kritische Redakteure einlenkten, sobald ich das Reizwortpaar „Apocalypse und Luther“ fallen ließ. Apocalypse und Luther, das fanden sie sofort interessant. Der Inhalt des Stücks war erstmal egal.
ML: Vielleicht erklären Sie mir, wie Sie das sehen mit mir und meinen Hetzschriften?

Nein. Das tun bitte Sie selbst. Auf Basis der Erkenntnis, dass das Leid der Menschheit auf dem Gefühl der Getrenntheit von Gott – oder wie immer man diese Macht auch nennen will – basiert. Und dass der Mensch in Wirklichkeit ungetrennt ist von Gott. Er kann sich ihm verbunden wissen. Immer.
ML: Das jüdische Volk ist das von Gott auserwählte Volk. Es hat die ewige Zusage tiefster Geborgenheit, die über Jahrtausende getragen hat und weiter trägt. Das neiden andere Menschen diesem Volk. Das neiden Menschen, die sich von Gott getrennt und darum bis in den tiefsten Herzensgrund verlassen fühlen. Dieses Gefühl der Getrenntheit ist in ihrem Unterbewusstsein verborgen. Es ist das, was ich das Gekrümmte nenne. Dieses Gefühl ist unantastbar. Das soll niemand kennen, niemand erkennen. Darum tragen diese Menschen Masken. Manche mehr, manche weniger. In Apocaluther sage ich: „Je mehr Liebe ihnen fehlt, wenn sie klein sind, desto grausamer ODER desto duldsamer werden sie, wenn sie älter werden. Eure Psychologen haben das schon erkannt. Das zu heilen, wenn die Menschen groß sind, ist fast unmöglich.“ Ich war und bin auch in mir gekrümmt. Dieses Gefühl bringt nicht zwangsläufig Antisemitismus hervor. Aber es bereitet den Boden, auf dem Hass aller Art gedeiht.

Die Menschen sind jedoch alle mit Gott verbunden – wenn sie dies wollen. Gott ist bedingungslose Liebe. Alle Menschen sind bedingungslos geliebte Kinder Gottes. Das sind zwei Ihrer neuen Thesen aus Apocaluther.
ML: Und mein Schlusswort in dem Stück lautet: „DAS da, dieses absolute, radikale Getragensein ist immer und ewig einfach da.“ Darum muss niemand anderen Menschen ihre Geborgenheit neiden. Denn sie steht allen zur Verfügung. In dieser Gewissheit zu leben bedeutet, dass die Hütte Gottes bei den Menschen Realität ist. Bedingungslose Liebe und die Balance des „ich liebe meinen Nächsten wie mich selbst“ machen Unfrieden, Hass, Neid unmöglich.

((aus Apocaluther))

Theodizee: (nimmt eine Bibel aus dem Regal, schlägt sie auf, liest feierlich aus der Offenbarung vor) Aus dem letzten Kapitel der Apocalypse: „Siehe da, die  Hütte Gottes bei den Menschen! und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Stuhl saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!“

((weiter im Interview))

„Gott macht den Frieden nicht. Gott IST Frieden. Die MENSCHEN müssen sich wieder mit Gott verbunden wissen und fühlen und danach handeln. Dann IST Frieden!“ Das habe ich Ihnen in Apocaluther in den Mund geschrieben.
ML: Und dann erzähle ich, dass ich beim Blick auf die Erde erst gedacht habe, es gäbe auf der Welt eigentlich keine Grenzen. Und dass ich dann gesehen habe, dass es doch welche gibt. Grenzen zwischen Land und Wasser. Zwischen Wolken und Luft. Zwischen Fluss und Ufer. Diese Grenzen sind ganz klar. Darum sind Wasser und Ufer auch einfach nebeneinander. Ein Chorkind sagt dann, dass das so ist, wie es eigentlich mit Gott und den Menschen sein sollte.

Da fehlt aber noch etwas. Nämlich, dass es so auch zwischen den Menschen sein sollte. Jeder begegnet dem anderen friedlich, nah, klar und bedingungslos liebend. So ist das gemeint. Unfrieden funktioniert so nicht mehr.
ML: Bis dahin ist aber noch ein weiter Weg.

Der Weg wird mit jedem Schritt kürzer, den man ihn geht. Und die Verbundenheit mit Gott, mit dem All-Eins zu leben, dazu braucht es mehr Bewusstsein fürs Dahinter der Dinge, mehr Spiritualität. Die wiederum ist eine ganz persönliche Angelegenheit, die lässt sich nicht institutionalisieren.
ML: Ja. Etwas glauben, das ist etwas, was die Leute tun oder nicht tun können. Spiritualität ist etwas, das man selbst erlebt.

Ein Chorkind sagt in Apocaluther: „Außerdem gibt es noch die Engel, Gottes Boten. Die können auch was machen!“
ML: Dass Erwachsene ihren Engel wieder bewusst wahrnehmen, der sie begleitet. Das wäre eine schöne spirituelle Erfahrung für diese Menschen.

Danke für heute. Ich setze jetzt hier noch das Lied hinein, das die Kinder an dieser Stelle in Apocaluther singen.

Ich bin vielleicht noch klein
doch bald schon bin ich groß
dann sitzen meine Kinder
bei mir auf meinem Schoß.

Was ich heut von euch lerne,
das ist dann in mir drin.
Darum ist gut, wenn klar ist,
wie liebenswert ich bin.

Du bist vielleicht schon groß,
doch warst du auch mal klein
und hast bestimmt mal Angst gehabt
und fühltest dich allein.

Da kam ein großer Engel,
hielt dich in seinem Arm.
Bis es dir wieder besser ging,
hielt er dich lieb und warm.

Der Engel ist noch immer
bei dir, bei Tag und Nacht.
Er singt dir von der Liebe vor,
die alles heile macht.

Morgen: „Für Liebe und Anerkennung sind Menschen bereit, alles zu tun.“ – und ein Blick auf die Angst im „christlichen Abendland“.

 

 

 

„Den Begriff gottgewollt muss ich mir dringend abgewöhnen.“

Zum Reformationsjubiläum gibt es Kerzen mit Ihrem Bild. Was halten Sie davon?
Martin Luther: Devotionalien. Heiligenkult. Man hat mich zum Helden gemacht. Zu einem „deutschen Helden“. Das sagt viel mehr über die Menschen aus, die das tun, als über mich. Ich war und bin weder Held noch Heiliger. Meine Person scheint wichtiger zu sein als meine Botschaft. Schade, dass das hierzulande immer noch so ist.

Warum steht eigentlich Ihre Person so sehr im Mittelpunkt der Feierlichkeiten – und nicht Ihre Botschaft?
ML: Vermutlich, weil die lutherische Kirche keinen Papst hat. Menschen sind so. Noch. Sie brauchen „einen großen Mann“ oder „eine große Frau“. Zum Anhimmeln. Im wahrsten Sinne. Weil der Himmel ja anscheinend leer ist. Die Menschen empfinden Gott (noch) als getrennt von ihnen. Wenn sich das erstmal geändert hat, brauchen die Menschen keine „übergroßen Führungsgestalten“ mehr.

Wer ist dann auf den Kerzen?
ML: Vielleicht Sterne. Wolken. Himmel. Ein Herz.

Warum haben wir gestern eigentlich nur eine Frage gepostet?
ML: Weil wir freie Gotteskinder sind.

Kann ich heute noch ein paar Fragen stellen?
ML: Ja.

Die Kirche hat viel Leid über die Menschheit gebracht. Was sagen Sie heute dazu?
ML: Ja, das hat sie. Andere zu etwas zu zwingen, ist nicht gottgewollt und hat nichts mit Liebe zu tun. Wobei … den Begriff gottgewollt muss ich mir dringend abgewöhnen … Denn MENSCHEN machen das, was geschieht. Sie können ihre Verantwortung nicht delegieren.

Als die Bauern sich damals wehren wollten, haben Sie gesagt, die Landsknechte sollen hauen und stechen. Was sagen Sie rückblickend dazu?
Martin Luther: Rückblickend gesehen war es nicht kompatibel mit meinen Erkenntnissen. Doch was geschehen ist, kann niemand verändern. Jeder kann nur an dem etwas verändern, was heute und damit in Zukunft passiert. Das sagt auch der Engel in Apocaluther. Wo heute noch Macht und Ohnmacht aufeinander treffen, könnten die Mächtigen etwas von ihrer Macht an die Ohnmächtigen abgeben. Die andere Seite könnte diesen Teil annehmen. So übernähmen beide eine gewisse Menge an Verantwortung. Es entstünde Balance.

Eine Leserin hat gefragt, ob der Inhalt dieses Blogs aus Ihren Schriften stammt oder „ausgedacht“ ist. Was sagen Sie dazu?
ML: (lacht) Die Leute sollen ihren Kopf und ihr Herz einschalten! Vor allem ihr Herz. Wussten Sie, dass vom Herz aus viel mehr Nervenimpulse ans Gehirn gehen als umgekehrt? Find ich interessant. Aber um die Frage zu beantworten: Apocaluther und apocaluther.de basieren auf meinen Schriften. Ja.

Was ist für Sie der schönste Moment in Apocaluther?
ML: Hm … also, das Anklopfen ans Fenster, das hat schon was … oder wenn die Kinder alle reinkommen … nein, diese Szene, wo ich mit dem Engelsbettzeug zugedeckt werde … halt, nein … als die Kinder vors Hohe Tribunal gerannt kommen und Maske I zwar rumbrüllt „Raus mit den Kindern“, sich aber dann doch ein kleines, ganz natürliches Lächeln nicht verkneifen kann. Da sieht man bereits den Menschen hinter der Maske. Das gefällt mir.

„Kinder sehen sowieso immer, was mit den großen Leuten los ist“, sagt ein Kind.
ML: Viele Kinder können in die Menschen hineinsehen. Das ist eine Herausforderung für ein Kind. Die großen Leute könnten langsam mal anfangen zu begreifen, dass das Verhalten der Kinder sehr viel mehr mit ihnen – den Großen – zu tun hat. Und nicht mit den Kindern. Ein Kind ist nämlich noch nicht so sehr ein in sich verdrehter Mensch, ein homo incurvatus in se, wie ein Erwachsener. Dazu steht was im Artikel vom 2. Oktober.

Morgen: „Sich ständig der Konsequenzen des eigenen Handelns bewusst zu sein, ist natürlich anstrengend. “ – und Luther wird nach seinen Hetz-Schriften gegen die Juden gefragt.

 

Sie behaupten also, es gäbe keine Vorherbestimmung?

Sie waren es doch, der darauf beharrte, dass jeder in seinem Stand geboren ist und dort zu bleiben hat.
Martin Luther: Ja, und dann habe ich in den ganzen Jahren nach meinem Tod die Welt von der anderen Seite aus betrachtet und gemerkt, was das anrichtet, wenn man so denkt. Und wer weiß denn, was ich noch alles gedacht, aber nicht geschrieben habe, um meine Ideen, die ankamen, nicht zu gefährden?

 

 

 

 

 

 

 

„Manches, was ich damals gesagt und geschrieben habe, war nicht gut.“

Martin Luther über die Konsequenzen seiner christlichen Lehre und über Inkonsequenzen, über die er selber gestolpert ist, zum Beispiel seine Haltung in den Bauernkriegen oder gegenüber dem Judentum.

Der Luther, der hier spricht, ist der Apocaluther. Zurückgekehrt von der anderen Seite ins 21. Jahrhundert: „Ich habe keine Lust mehr auf Dogmatik. Nach diesen 500 Jahren, die ich mir kopfschüttelnd die Weltgeschichte betrachtet habe, stelle ich hiermit klar: Ich gebe Denkanstöße. Lies es oder lass es. Danke.“

Die drei Masken der Mächtigen der Welt aller Zeiten fragen Sie in Apocaluther, was Sie hier auf der Erde wollen, wo Sie doch schon so lange tot sind.
Martin Luther: Ja, leider darf ich die Frage da nicht beantworten. Die Masken unterbrechen mich ständig.

Hier haben Sie freie Bahn. Also? Warum sind Sie wieder hier?
ML: Ich bin zurückgekommen, weil das Reformationsjubiläum gefeiert wird, mit einer staatlichen Sause ohnegleichen. Aber sehen Sie sich die Welt an. Meine Gedanken werden immer noch nicht verstanden. Sonst sähe es anders aus auf der Welt. Es gäbe mehr Gerechtigkeit, mehr Liebe, mehr Paradies. Außerdem möchte ich auf Basis meiner christlichen Lehre einige meiner damaligen Gedanken revidieren. Manches, was ich damals gesagt und geschrieben habe, war nämlich nicht gut. „„Manches, was ich damals gesagt und geschrieben habe, war nicht gut.““ weiterlesen

Gedanken gegen das Grauen

Luther: Es ist unangenehm, darüber nachzudenken, dass die Menschen das Grauen auf der Erde selbst produzieren. Sie wollen es nicht und tun es doch. Überall, jeden Tag. Je mehr Liebe ihnen fehlt, wenn sie klein sind, desto grausamer ODER desto duldsamer werden sie, wenn sie älter werden. Eure Psychologen haben das schon erkannt. Das zu heilen, wenn die Menschen groß sind, ist fast unmöglich.

Was bringt es Dir, wenn Du Deine schwarzen Kisten öffnest,
Deine schwarzen Löcher genau betrachtest,
in Frieden bringst, was darin ist,
und beginnst, Dich selbst zu lieben, wie Du bist? „Gedanken gegen das Grauen“ weiterlesen

Da wuchsen Margeriten

Fünftes Chorkind: Aber wir Kinder wissen das doch, das mit der Liebe. Wir kommen auf die Welt und sind Liebe pur. Wir kommen ja direkt von dort, von Gott. Glaub ich zumindest … Wir kommen also aus dieser bedingungslosen Liebe Gottes auf diese Welt und erleben vom ersten Tag an, wie das hier zugeht auf der Welt.
Erstes Chorkind: Und weil wir selbst als Babies noch so bedingungslos lieben und weil wir so klein sind, lassen wir uns alles gefallen. Wir müssen uns alles gefallen lassen. Wie sollen wir sonst überleben.
Zweites Chorkind: Und schwupps, haben wir was ganz anderes gelernt, als was eigentlich Sache ist.
Drittes Chorkind: Die Großen können aber nichts dafür. Sie haben es ja selbst nicht anders gelernt.

Traumata werden durch die Generationen weitergegeben, vererbt.
Das macht Leid und Traurigkeit, ohne dass man weiß, woher es kommt.
Man kann Traumata in Frieden bringen.
Durch Transformation.
Aus der Dunkelheit ins Licht.
Das zu tun, so zu leben, bedeutet für mich Reformation 2.0.
Aus diesem Bewusstsein heraus habe ich Die Kinder des Lichts geschrieben, ein Mehr-Generationen-Singspiel, das die Chorkinder 2015 aufgeführt haben. Anlass war 70 Jahre Kriegsende.
Darin heißt es in einem Lied:

Als ich ein kleiner Junge war, da lag die Welt in Trümmern.
Mein Papa war weit fort von mir, er konnte sich nicht kümmern. „Da wuchsen Margeriten“ weiterlesen