Genug gekniet

Wer hat eigentlich das Kasteien erfunden? Wo und wann entstand die Idee, dass es irgendwem wohlgefällig wäre, wenn man sich erniedrigt, züchtigt, zu Kreuze kriecht, auf Knien nach Canossa rutscht etc.?

Ein sehr lieber Mensch erzählte mir von spirituellen Retreats, bei denen man stundenlang kniet und meditiert. Manager gingen dorthin, Psychologen, Therapeuten aller Art, Fastenanleiter … und weil das Knien so weh tut, nehmen die Leute Schmerzmittel. Damit sie länger knien können.

Durch diese Retreats erhoffen sich die Menschen innere Heilung. Mir fällt da nur die Formulierung aus der Lutherbibel ein: auf dass ein noch größer Getümmel ward. In diesem Fall nämlich in diesen Menschen selbst. Sie, die wegen Seelenpein zu solch heftigen Retreats gehen, erhoffen sich Erlösung durch noch mehr Schmerz. Den sie gleichwohl betäuben. Was jedoch den Körper noch mehr belastet.

In den Menschen scheint eine tief verwurzelte Überzeugung zu wohnen, dass Glück nur durch Leid zu erhaschen sei. Das kommt vielleicht – zumindest im sogenannten christlichen Abendland – daher, dass man gelernt hat: Jesus Christus ist auf schreckliche Art und Weise gestorben und dann auferstanden. Demnach erst der Schmerz und dann, wenn durchlitten, kurze Zeit schöne Zeit, bis das Leid wieder anfängt.

Nun hat aber gerade Jesus von Nazareth den Leuten, die zu ihm kamen, n i c h t gesagt, dass sie erstmal noch ein bisschen mehr leiden müssten. Im Gegenteil. Nimm dein Bett und geh. Klopfet an, so wird euch aufgetan. Bittet, so wird euch gegeben.

Das Schöne daran: Es funktioniert! Es sei denn, man hat Gegenprogramme (siehe Blogtext von gestern), die man aber löschen kann. Oder man hat hierarchisch einen oder eine über sich, die bestimmt, dass man zu leiden hätte. Göttlicher Wille ist das nicht. Das ist alles menschengemacht. Und nur die Menschen können das auch ändern. Aber nicht auf Befehl. Sondern jeder in bedingungsloser Liebe für sich selbst und die anderen.

Wer so lebt, lässt niemanden mehr stundenlang knien, weil es der Erleuchtung diene. Wer so lebt, tut sich auch kein Knieschmerzmittel mehr an. Sondern sucht sich eine fröhlichere, leibfreundliche statt leibfeindliche Betätigung. Dazu eventuell bisschen Sea-Balance: Einfach aus dem System rauslösen, was belastet. Ohne langwierige Retreats. Sonden mitten im Alltag, sanft, ohne Belastung oder Kasteien.

Leid, Schmerz, Not und so weiter können aufhören. Wir sind nicht auf dieser Welt, um zu leiden.

Das meint zumindest

Eure Ulrike

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